Statue des Augustus
Statue des Augustus
Der Begründer des Prinzipats ist eine der faszinierendsten Gestalten der Antike, dessen Name mit historischen Größen wie Alexander der Große, Perikles, Hannibal und Caesar in einem Atemzug genannt wird. Als erster römischer "Kaiser" steht er am Beginn einer Herrscherreihe, die erst am 29. Mai 1453 mit der Eroberung Konstantinopels und dem Ende des Oströmischen Reiches endete. Staatsmänner wie Karl der Große beriefen sich auf Augustus als den idealen Herrscher; noch heute trägt ihm zu Ehren ein Monat seinen Namen. Fast 60 Jahre stand er an der Spitze des größten antiken Reiches. Seine Regierungszeit gilt als Goldenes Zeitalter, die "pax augusta" steht als Symbol für eine größtenteils friedliche, kulturell reiche Ära.
Jugend (63-44v.Chr.)
Am 23. September 63 v. Chr. wurde der spätere Augustus als Sohn des C. Octavius und der Atia (Nichte Caesars) in Rom geboren. Er erhielt den Namen Gaius Octavius. Im Alter von 4 Jahren verlor er seinen Vater und im Jahre 51v.Chr. seine Mutter. 48v. Chr. erschien er erstmals in einem öffentlichen Amt: als "pontifex" (Priester) übernahm er ein priesterliches Amt. Von diesem Zeitpunkt an hielt er sich im engeren Umkreis seines Gönners und Großonkels Caesars (100-44v.Chr.) auf, der die Qualitäten des jungen Mannes frühzeitig erkannte. Wegen einer schwachen Konstitution und ständigen gesundheitlichen Problemen konnte Octavian Caesar allerdings nur zeitweise auf dessen letzten Feldzügen begleiten (wie 46v.Chr. in Afrika, 45v.Chr. in Spanien). Für den 44v.Chr. geplanten Feldzug gegen die Parther wurde Octavian, begleitet von seinem Freund Marcus Vipsanius Agrippa (63-12v.Chr.), von Caesra nach Apollonia (Griechenland) vorausgeschickt, um dort auf dessen Ankunft zu warten. Hier erhielt Octavian die Nachricht, daß Caesar am 13. März (den "Iden des März") während einer Senatssitzung in Rom ermordet worden war.
Die Bürgerkriegswirren (44-36v.Chr.)
Octavius, von Caesar in dessen Testament als Sohn adoptiert und zum Erben ernannt, nahm das Erbe gegen die Bitten seiner Mutter Atia an und nannte sich nun "Gaius Julius Caesar Octavianus". In Rom nahm er den Senat für sich ein, der den Caesarmördern mißtrauisch gegenüberstand. Den Veteranen seines Adoptivvaters zahlte er aus dem Vermögen Caesars den Sold und stellte die Armee dem Senat zur Verfügung. In der Folge erhielt Octavianus militärische Befehlsgewalt und den Auftrag, gegen Marcus Antonius (83-30v.Chr.) vorzugehen, der sich als Nachfolger Caesars aufspielte. Die Armeen des Octavianus besiegten Antonius am 19. März und am 21. April 44v.Chr. bei Mutina. Bei diesen Gefechten fielen die beiden Konsuln des laufenden Jahres. Octavianus forderte deren vakantes Amt für sich, um auf legalem Wege gegen die Mörder Caesars vorgehen zu können, was der Senat aber ablehnte. Nach einem Marsch auf Rom akzeptierte der Senat jedoch dessen Forderung: Octavianus, nun mit gesetzlichen Mitteln ausgestattet, legalisierte seine Adoption und ließ die Caesarmörder zu Staatsfeinden erklären, wovon Marcus Antonius (unterstützt von 22 Legionen) und M. Aemilius Lepidus (General von 7 Legionen) ausgenommen wurden. Die drei Heerführer einigten sich schließlich im Oktober 43v.Chr. bei Bononia (Bologna) im "Zweiten Triumvirat" darauf, den Staat neu zu ordnen ("rei publicae constituendae"). Jeder der drei erhielt einen Teil des Reichsgebietes (darunter Octavianus Africa, Sardinien und Sizilien). Erstes Ergebnis dieses Bündnis waren die sogenannten Proskriptionen, Todeslisten zur Ausschaltung von vermeintlichen Gegnern (über 200 Senatoren und 2000 Ritter fielen den Verfolgungen zum Opfer, darunter auch Marcus Tullius Cicero). Im Jahre 42v.Chr. wurden die Caesarmörder C. Cassius und M. Junius Brutus in der Doppelschlacht bei Philippi besiegt; beide begingen daraufhin Selbstmord. 40v.Chr. wurde das Triumvirat im Vertrag von Brundisium (Brindisi) erneuert (Octavianus erhielt nun den gesamten Westen des Reiches, Antonius den Osten, Lepidus lediglich Afrika). Das Bündnis wurde durch die Heirat Marc Antons mit Octavians Schwester Octavia (69-11v.Chr.) befestigt und in der Folgezeit (39 in Misenum, 37 in Tarent) mehrmals erneuert.
Nach und nach wurden weitere "Gegner der Republik" besiegt oder beseitigt: (36v.Chr. wurde die Seeherrschaft des Sextus Pompeius beendet, 35v.Chr. wurde Lepidus ausgeschaltet und ins Privatleben "entlassen").
Der Kampf um die Alleinherrschaft (36-30v. Chr.)
Octavianus (der nach der Divinisierung seines Adoptivvaters 42v.Chr. nun "Gaius Julius Caesar divi filius" - "Sohn des Gottes Caesar" hieß), Herrscher über das halbe Reich, erließ einen Schuldenerlaß, entließ eine Vielzahl alter Soldaten Caesars, siedelte diese Veteranen neu an und erklärte den Bürgerkrieg für beendet. Nach und nach sicherte er sich im Westen des Reiches eine sichere Machtbasis. Marc Anton hingegen führte im Osten Kriege (34v.Chr. besiegte er die Armenier) und übertrug den Kindern seiner Geliebten, der ägyptischen Königin Kleopatra VII. (69-30v.Chr.), Kleopatra Selene, Alexander Helios, Ptolomaios Philadelphos und Caesarion, verschiedene Königreiche und römische Provinzen als Herrschaftsgebiete. Zum endgültigen Bruch kam es 32v.Chr.: Marcus Antonius ließ sich von Oktavia scheiden und heiratete Cleopatra VII., eine nach römischem Recht ungültige Ehe. Damit verlor Antonius viele seiner in Rom verbliebenen Anhänger, da er sich immer mehr als orientalischer Herrscher gebärdete und offiziell den Titel "Prinzgemahl" annahm oder "König der Könige". Octavianus verschärfte die Ablehnung dieses Gebarens und übernahm nach der Flucht von 300 Anhängern des Antonius und der beiden Konsuln nach Griechenland, wo Antonius eine Armee aufstellte, ungehindert die Zügel in Rom. Er ließ in Rom das Testament Marc Antons öffentlich vorlesen, in dem dieser den Wunsch äußerte, in Ägypten begraben zu werden und die gemeinsamen Söhne mit Kleopatra als seine Erben anerkannte Dies brüskierte natürlich alle, die noch wage Hoffnungen auf Antonius gesetzt hatten. Er wurde aller seiner Ämter enthoben und Ägypten (und damit Marc Anton) der Krieg erklärt. Am 2. September 31v.Chr. besiegte die römische Flotte unter dem Befehl des Marcus Agrippa die ägyptische Flotte bei Aktium. Das Landheer (13 Legionen!) ging nach der Flucht Kleopatras und des Antonius ohne Gegenwehr zu Octavianus über, der damit das ganze Reich außer Ägypten in seinen Händen hielt. Nach der Befriedung des Ostens zog er am 1. August 30v.Chr. in Alexandrien ein. Antonius beging ebenso wie Cleopatra Selbstmord. Der Sohn Caesars, Caesarion, wurde ermordet, die anderen Kinder Kleopatras kamen unter die Obhut Octavians. Damit waren die letzten Gegener beseitigt.
Die Wiederherstellung der Republik 30-27v.Chr.
29v.Chr. kehrte Octavianus nach Rom zurück, wo der Senat ihm drei Triumphe zubilligte, die Zensur verlieh und weitere Vollmachten (z.B. die "potestas omnium rerum") übertrug. Der Senat wurde in der Folgezeit auf 600 Mitglieder reduziert und mit treuen Anhängern des Octavianus ergänzt, die Legionen von 70 auf 26 verringert. 28v.Chr. übernahm Octavianus mit Agrippa zusammen das Konsulat. Die beiden erließen einen allgemeinen Schuldenerlaß und führten eine Volkszählung durch. Der Janustempel wurde geschlossen (das Symbol, daß im ganzen Reich kein Krieg geführt wurde) und die Republik als wiederhergestellt betrachtet. Die Spuren der Bürgerkriege wurden beseitigt. Octavianus erhielt den Titel "princeps senatus", trat aber am 13. Januar 27 von allen Ämtern zurück und gab dem Senat alle Macht in die Hände, denn "res publica restituta".
Pax Augusta
Diese "symbolische" Handlung wurde als solche verstanden: am 16. Januar wurde Octavianus der Ehrenname "Augustus" verliehen und der Monat "sextilis" in August umbenannt. Des weiteren behielt Augustus für die nächsten drei Jahre sowohl die konsularische (d.h. die gesetzgeberische und gesetzausführende) als auch die prokonsularische Gewalt in Händen. Augustus übernahm die direkte Kontrolle über zehn nicht befriedete Provinzen des Reiches, in denen die Legionen Roms standen. Damit war Augustus gleichzeitig auch der Oberbefehlshaber der Armee. 23v.Chr. verlieh ihm der Senat die konsularische Gewalt auf Lebenszeit und auch die tribunizische Gewalt ("tribunicia potestas"), das Vetorecht bei Gesetzabstimmungen, die Kontrolle über Beamte und das Recht, Volksversammlungen einzuberufen. Mit dem Tode des Pontifex Maximus Marcus Lepidus übernahm Augustus schließlich auch das Amt des obersten Priesters der Staatsreligionen. Einen außerordentlichen Erfolg erzielte Augustus 20v.Chr.- er erhielt von den Parthern die 53v.Chr. durch L. Licinius Crassus verlorenen Legionsadler zurück Das "Augusteische Zeitalter", die "pax augustea" brachten Rom Glanz und den Bewohnern des Reiches endlich Frieden. Die Künste blühten auf (Vergil, Horaz, Titus Livius) und Augustus wurde zum Dank für sein Wirken im Jahre 2v.Chr. der Titel "Vater des Vaterlandes" (pater patriae) verliehen. Im Osten des Reiches wurde er bereits zu Lebzeiten als Gott verehrt. Die Restauration der Religionen wurde mit den Säkularfeiern (17v.Chr.) demonstriert.
Die Außen- und Innenpolitik
In der Folgezeit erfuhr das Reich tiefgreifende Neuordnungen: Gallien und Spanien wurden neu organisiert und befriedet, Völker wie die Chauken, Bataver, Daker, Dalmater und Friesen wurden unterworfen. An der Rheingrenze herrschte fast ständig Krieg, der meist unter dem Oberbefehl von Familienangehörigen des Augustus (Drusus d.Ä., Agrippa, Tiberius, Germanicus) erfolgreich geführt wurde. Eine strenge Sittengesetzgebung wurde eingeführt, die Romanisierung der Provinzen vorangetrieben, das Straßennetz verbessert und erweitert, der Handel gesichert usw.
Rückschläge erfuhr Augustus erst im vorgerückten Alter: die Niederlage des Feldherrn Varus im Jahre 9n.Chr. im Teutoburger Wald, die dem Expansionsdrang des Reiches an der Rheingrenze ein vorläufiges Ende setzte, muß zu den schwersten Niederlagen der römischen Armee gerechnet werden.
Die Familienpolitik
Augustus war von Beginn darauf bedacht, seine Macht auch durch Verwandtschadt, familiäre Verbindungen zu konsolidieren und auszubauen, zumal er selbst keine männlichen Erben hatte. Zu diesem Zweck heiratete der allseits beliebte Marcus Claudius Marcellus, der Sohn der Schwester des Augustus, dessen Tochter Julia (39v-14n.Chr.). Marcellus starb jedoch bereits 23v.Chr. und so heiratete der Freund und Feldherr des Augustus, M. Vipsanius Agrippa die Witwe des Marcellus. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Gaius (geb. 20v.Chr.) und Lucius Caesar (geb. 17v.Chr.). Beide wurden von Augustus adoptiert und als Prinzen und Erben in zweiter Generation erzogen. Aber Agrippa, der vermeintliche Nachfolger des Augustus, starb 12v.Chr. und Julia mußte nun auch noch Tiberius (43v-37n.Chr.) ehelichen, Sohn der Livia (58v.-29n.Chr.), der Ehefrau des Augustus, aus erster Ehe. Nach dem frühen Tod der beiden Enkel Gaius (gest. 2n.Chr.) und Lucius (gest. 4n.Chr.) wählte Augustus schließlich seinen Stiefsohn Tiberius zum Erben. Einen schweren Skandal gab es, als bekannt wurde, daß seine Tochter Julia zahlreiche Affären pflegte und damit genau gegen die Gesetze verstoßen hatte, die Augustus durchgsetzen ließ, um die Moral wiederherzustellen und den Ehebruch zu unterbinden. Julia wurde schließlich verbannt und zahlreiche ihrer Liebhaber hingerichtet.
Divus Augustus
Augustus starb 76-jährig am 19. August 14n.Chr. in Nola (im selben Zimmer, in dem sein Vater gestorben war!) in den Armen seiner Frau Livia und im Beisein des Tiberius. Er wurde im von ihm auf dem Marsfeld erbauten Mausoleum beigesetzt und am 17. September 14 durch den Senat zum Gott erhoben. Die Nachfolge trat Tiberius an: das Prinzipat, zunächst nur auf die Person des Augustus zugeschnitten, wurde zu einem festen Bestandteil der römischen Herrschaftsordnung.
Leider sind die literarischen Werke des Augustus nicht erhalten geblieben, doch gibt sein Rechenschaftsbericht (das sogenannte "Monumentum Ancyrnum") ein klares Bild seiner historischen Größe und seines Selbstverständnisses wider.
© by Ralf Gabelmann

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