Caesar wurde am 12. oder 13. Juli 100 vor Chr. in Rom geboren und gehörte einer der bedeutendsten römischen Familien, der Gens Iulia
(Geschlecht der Julier), an. Sein Onkel war der bedeutende Feldherr und Popularen-Führer Gaius Marius, durch den er mit Lucius Cornelius Cinna
bekannt wurde, der ein erbitterter Gegner des Optimaten-Führers Lucius Cornelius Sulla war. 84 vor Chr. heiratete er dessen Tochter Cornelia,
mit der er eine Tochter, Julia, hatte, und wurde im gleichen Jahr zum Flamen dialis ernannt, ein Priesteramt, das Patriziern vorbehalten war.
Nach der Ernennung Sullas zum Diktator (82 vor Chr.) verlangte dieser von Caesar die Scheidung von seiner Frau. Es gelang Caesar jedoch, sich dieser
Forderung zu entziehen. Später wurde er durch Fürsprache einflussreicher Freunde von Sulla begnadigt. Nachdem Caesar verschiedene militärische
Missionen im Osten erfüllt hatte - u. a. in Kilikien in Kleinasien - kehrte er erst 78 vor Chr., nach dem Rücktritt Sullas, nach Rom zurück. Dort
enthielt er sich zunächst der direkten politischen Einflussnahme, betätigte sich jedoch als Ankläger gegen mehrere Anhänger des Sulla, die er wegen
Erpressung belangte.
Da es ihm nicht möglich war ein politisches Amt zu erwerben, verliess Caesar Rom noch einmal und ging nach Rhodos, wo er Rhetorik studierte. 74 vor
Chr. unterbrach er seine Studien, um in Kleinasien gegen Mithridates zu kämpfen. 73 vor Chr. kehrte er nach Rom zurück und wurde Mitglied des
Priesterkollegiums der Pontifices, das für Fragen des römischen Staatskultes zuständig war und das somit auch politischen Einfluss ausüben konnte.
71 vor Chr. war Pompeius im Triumph nach Rom zurückgekehrt, nachdem er sich unter Sulla zahlreiche militärische Verdienste erworben und den
aufständischen, mit Sulla verfeindeten Popularen-Führer Sertorius in Spanien besiegt hatte. Im vorausgehenden Jahr hatte Marcus Licinius Crassus,
ein reicher Patrizier, als Prokonsul den von Spartakus angeführten Sklavenaufstand in Italien niedergeschlagen. Beide waren dafür im Jahr 70 vor Chr.
zu Konsuln gewählt worden. 69 vor Chr. hatte man Caesar zum Quästor gewählt und 65 vor Chr. zum kurulischen Ädilen, ein Amt, in dem er sich durch die
Veranstaltung aufwendiger Gladiatorenspiele Popularität beim einfachen Volk zu sichern wusste. Zu deren Finanzierung lieh er sich Geld von Crassus.
Nach dem Scheitern der Catilinarischen Verschwörung setzte er sich für eine milde Behandlung der Verschwörer ein.
Als er 60 vor Chr. nach einem Jahr als Verwalter von Spanien nach Rom zurückkehrte, schloss er mit Pompeius und Crassus ein Bündnis zur Durchsetzung
gemeinsamer Interessen: das erste Triumvirat. Um ihre Beziehung noch weiter zu festigen, heiratete Pompeius Caesars Tochter Julia. Mit Unterstützung
des Triumvirats wurde Caesar gegen den Widerstand der Optimaten-Partei für das Jahr 59 v. Chr. zum Konsul gewählt und erhielt im Folgejahr durch ein
Sondergesetz als Prokonsul für fünf Jahre die Verwaltung der Provinzen Gallia Cisalpina, Illyricum und Gallia Narbonensis, wodurch es ihm möglich
wurde, seine Macht gegen den Senat auszubauen. In den folgenden Jahren führte er die Gallischen Kriege, in deren Verlauf er ganz Gallien eroberte,
zweimal über den Rhein zog und nach Britannien übersetzte. Diese Kriege wurden von ihm selbst in einem autobiographischen Werk beschrieben.
Nachdem 68 vor Chr. seine erste Frau Cornelia gestorben war, heiratete Caesar Pompeia, eine Enkelin Sullas, die den Vorsitz über den geheimen
Fruchtbarkeitskult der Bona Dea hatte, von dem Männer bei strengsten Strafen ausgeschlossen waren. Als die Mysterien der Göttin im Hause Caesars,
wo ein Fest zu ihren Ehren stattfand, entweiht wurden, weil Clodius sich in Frauenkleidern Zugang dazu verschafft hatte, kam es zu einem öffentlichen
Skandal, in dessen Folge sich Caesar von Pompeia trennte. Da auch seiner dritten Ehe mit Calpurnia (59 vor Chr.) keine männlichen Nachkommen
entstammten, setzte er seinen Grossneffen Octavian testamentarisch zum Nachfolger und Erben ein, der später unter dem Namen Augustus erster römischer
Kaiser wurde.
Caesar, der ein Mann von umfassender literarischer Bildung war, trat auch als begabter Schriftsteller in Erscheinung, mit einer klaren Sprache und
einem schlichten, klassischen Stil. Erhalten sind seine sieben Bücher über den Gallischen Krieg (Commentarii de bello Gallico),
in denen er seine Gallienfeldzüge beschrieb und die eine wichtige Informationsquelle über die frühen keltischen und germanischen Stämme darstellen,
sowie ein dreibändiges Werk über den Bürgerkrieg (Commentarii de bello civili).
Die Einschätzungen über Person und Leistung Caesars gehen weit auseinander. Während einige ihn als einen skrupellosen Tyrannen mit einem
unersättlichen Machtstreben sehen und ihm die Schuld für das Ende der römischen Republik geben, räumen andere zwar seine Unnachgiebigkeit ein,
geben jedoch zu bedenken, dass die Republik damals bereits dem Untergang geweiht war, und Caesar vor der Notwendigkeit stand, eine neue
Regierungsform zu finden, um der römischen Welt eine gewisse Stabilität zu bringen und sie vor dem Chaos zu bewahren. Überdies war er offensichtlich
ein ausgezeichneter Feldherr, der seine Soldaten zu äusserster Loyalität und Höchleistungen motivieren konnte. Als eine der beeindruckendsten
Gestalten der Antike wurde er in zahlreichen Werken der Weltliteratur verewigt, darunter die Dramen "Julius Caesar" (1599) von William Shakespeare und
"Caesar und Cleopatra" (1901) von George Bernard Shaw oder die Romane "The Ides of March" (1948, Die Iden des März) von Thornton Wilder und Brechts
Romanfragment "Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar" (1937-1939, erschienen 1957).