Die schon angedeutete Entstehung einer Zweiklassengesellschaft wurde
auch mit dem zunehmenden Einfluss der
Griechen nicht rückgängig gemacht. Vielmehr wurden die Unterschiede
zwischen Arm und Reich weiter geschürt. Die
Zeit der landwirtschaftlichen Großbetriebe, die auf Kosten der
Kleinbauern entstanden, begann. Die Großgrundbesitzer
die sich auch so schon über einen grossen Besitz erfreuen konnten,
hatten damit nicht genug. Sie eigneten sich immer
mehr Land an und sie schreckten auch nicht davor zurück sich Land
anzueignen, das eigentlichen den Kleinbauern
gehörte. Da sich die Kleinbauern aber im Heer der Römer zu engagieren
hatten, konnten sie es nicht verhindern. Als sie
von den Kreuzzügen zurück kamen fanden sie entweder völlig
verwahrloste Äcker und Höfe oder überhaupt nichts
mehr vor, denn alles war ihnen von den Großgrundbesitzern
gestohlen worden.
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Ein typischer Redner.
(10 vor Chr.) |
Die so entstandenen Großagrarbetriebe wurden nicht etwa von
den nun landlosen Bauern unterhalten, sondern es wurden die
billigsten Arbeitskräfte angeheuert die man nur finden konnte:
Sklaven aus dem Osten und aus Afrika. Und falls die landlosen Bauern,
die sich gegenüber den Großgrundbesitzern
machtlos sahen, sich ein neues Stück Land kaufen wollten, scheiterte
dieses Unterfangen eigentlich immer an der Armut
und an der Tatsache, dass ein kleiner Betrieb nicht mit den
Großbetrieben und den billigen Exporten aus Afrika
konkurrieren konnte. Viele Bauern gerieten in den wirtschaftlichen Ruin
und strömten nach Rom um sich dort von Spenden
zu ernähren. Noch niedriger als die Bauern standen allerdings die
Sklaven, die in den Bergwerken und auf den
Agrargütern schonungslos uns aufs brutalste ausgenutzt wurden.
Sehr ungünstig war die Lage auch für die socii, die Bewohner der
römischen Provinzen. Obwohl sie die große
Mehrheit in der Bevölkerung des römischen Imperiums stellten, besaßen
sie nicht das römische Bürgerrecht. Sie wurden
von den dort regierenden Beamten und vom Staat ausgenutzt.
Durch diese rasche, sich sehr schnell vollziehende Differenzierung der
Gesellschaft reifte bald eine ganze Reihe
schwerer Konflikte heran, die mit friedlichen Reformversuchen nicht mehr
zu lösen waren, die zu einer hundertjährigen
gesellschaftlichen Krise mit Revolten und Bürgerkriegen führten und
letztendlich die Republik zermürbten. Nicht nur Catos
Versuch einer moralischen Restauration der altrömischen Welt war zu
Beginn des 2 Jahrhunderts vor Chr. gescheitert,
vergeblich blieb auch der soziale Reformversuch der Gebrüder Gracchus in
den Jahren 133-121 vor Chr.
Der Ausdruck der Reform für das Unterfangen der Gracchen ist
eigentlich falsch gewählt, war es doch keine Neuerung,
die Tiberius und Gajus Gracchus einführen wollten, sonder die
Wiederherstellung alter Zustände, wie sie vor den großen
expansionistischen Taten der Römer bestanden hatten. Sie wollten dem nun
landlosen Bauerntum ihr Land wieder
zurückgeben und sie somit wieder in das sozial Umfeld der römischen
Gesellschaft einführen. Die Nobilität weigerte sich
aber, aus ihren Großgrundbesitzen Teile abzugeben um es in
kleinbäuerliche Hand zu geben.
Trotzdem setzte Tiberius Gracchus als Volkstribun 133 vor Chr. ein
Ackergesetz durch, das den Besitz von
Gemeindeland beschränkte und neue Bauernstellen schuf. Als ein
bestochener Amtskollege gegen das Gesetz
opponierte, betrieb Tiberius dessen gesetzwidrige Absetzung. Bei dem
Versuch seine unzulässige Wiederwahl zu
erreichen, wurde Gracchus von den Anhängern des Senats erschlagen. Doch
sollte Tiberus in seinem Bruder Gajus einen
Nachfolger gefunden haben.
War schon Tiberius Gracchus in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich
gewesen, so war es sein Bruder Gajus
(123/122 vor Chr.) noch weniger. Er entfesselte einen Kampf um Leben und
Tod gegen den Senatorenstand. Im Verlauf
des Kampfes verschaffte er den Gegnern der Nobilität Privilegien im
Gerichts- und Steuerwesen. Damit aber lieferte er die
Provinzen dem ungebändigten Unternehmeregoismus der Privilegierten aus.
Gajus Gracchus scheiterte letztendlich an der
Frage des Bürgerrechts für die nicht italische Bevölkerung, die in den
Provinzen lebte. Denn sowohl die Nobilität, als auch
die unteren Schichten der Bevölkerung lehnten es ab, dass den Einwohnern
der Provinz das römische Bürgerrecht
zugesprochen wurde. Erst im Bundesgenossenkrieg (91-89 vor Chr.)
erreichten die socii die Gleichstellung mit den Italikern.
Das Ende des Gajus - er lies sich von einem Sklaven erstechen als in dem
durch seine politischen Maßnahmen
ausgelösten Bürgerkrieg die Niederlage unabwendbar wurde - ist
sinnbildhaft für den Ausgang dieser Entwicklungsphase
der römischen Geschichte.
Die Lösung gelang dann in völlige anderer Richtung, als die Gracchen
geplant hatten. Das entwurzelte Stadtproletariat
wurde zum neuen Wehrstand Roms in Gestalt des Söldnertums. Marius, der
Führer der Volkspartei, der zuvor Siege über
den nordafrikanischen König Jugurtha von Numidien und über die
germanischen Teutonen und Kimbern feierte, bediente
sich des Söldnertums ebenso wie sein Gegner Sulla, das Haupt der
Senatorenpartei, zur Durchsetzung eigener
politischer Ziele. Nach mehrmaligen heftigen Auseinandersetzungen
zwischen Popularen und Optimaten konnte der
Optimaten Führer Sulla die Macht an sich reissen und die erste auf das
Söldnertum gestützte Diktatur begründen. Nach
allerdings nur vier Jahren gab Sulla seine Macht wieder ab und die
Geschicke Roms lagen, zwar nur für kurze Zeit,
wieder in den Händen des Senats.
