Die Julisch/Claudische Dynastie
Tiberius
Kaiser Augustus hatte seinen Nachfolger schon seit einiger Zeit bestimmt gehabt. Aber es sollte nicht Octavians Lieblingskandidat, dessen Sohn Drusus, seine Nachfolge antreten dürfen, da dieser in Germanien ums Leben gekommen war. Weil der neue Kaiser zwingend aus Augustus Familie stammen musste hatte er keine andere Wahl, als dessen älteren Bruder Tiberus vorzuschlagen, obwohl ihm dieser bei weitem ungeeigneter schien als Drusus. Augustus hatte aber keine andere Wahl, da die übrigen Kandidaten für das Amt entweder noch unfähiger oder ganz einfach zu jung waren.
Tiberius war 57 Jahre alt, als er als neuer Prinzeps eingesetzt wurde. Er war nie liebenswürdig gewesen, seine schroffe, hochmütige Art hatte die meisten abgestoßen. Augustus hatte zudem veranlasst, dass seine Gattin Livia in die Familie der Iulier aufgenommen wurde und ihr der Titel Augusta verliehen worden war. Die alte herrschsüchtige Mutter stand nun neben Tiberius, der es aber verstand ihre Macht in Grenzen zu halten. Augustus hatte vor seinem Tod auch noch eine andere Bedingung an Tiberius gestellt, er musste Drusus Sohn Germanicus adoptieren und ihn als seinen Thronfolger einsetzen.
Untätigkeit und Unbeweglichkeit waren die Kennzeichen der Regierung des Tiberius. So war es auch kein Wunder dass er seinen Thronfolger Germanicus, der in den Gefilden des Rheins kämpfte, herumwerkeln ließ, bis dieser schließlich den Tod fand. Tiberius selbst starb im Jahre 37 an einer Krankheit.
Caligula
Es wurde der letzte legitime Nachfolger, der Sohn des Germanicus, als neuer Kaiser bestimmt. Sein Name war Gaius Iulius Caesar; er wurde aber auch Caligula genannt. Der Beiname Caligula war ein Kosename, den ihm einst die Kölner Legionäre seines Vaters beigelegt hatten, als das kleine zwei jährige Kerlchen in seiner Soldatenuniform mit den Truppenstiefelchen - caligulae - unter ihnen spielte.
Caligula war schon früh verwaist und herumgestoßen. Seine Jugend verbrachte er freud- und freundlos und so hatte er früh gelernt, seinen Hass vor den Todfeinden seiner nächsten Angehörigen zu verbergen. Nun war er der Herr und er wollte während seiner Regierungszeit Milde und Menschlichkeit walten lassen. So wurde sein Antritt auch im ganzen Land mit gebührender Ehre gefeiert und das Volk war froh, die grimmigen Jahre der Tyrannei unter Tiberius hinter sich zu haben.
Der schöne Traum von Caligulas Herrschaft hielt einen Sommer vor; es schien alles in bester Ordnung. Doch im Herbst 37 wurde der Prinzeps schwer krank und sein geschwächter Körper wehrte sich so gut es ging. Als er wieder genesen war wurde das gefeiert wie damals sein Amtsantritt. Doch die Krankheit hatte Caligula verändert. Schamlosigkeit und Größenwahn nahmen von seinem Tun Besitz. Seine Verrücktheit hatte ihn zu einem teuflischen Till Eulenspiegel gemacht.
Nichts bringende militärische Expeditionen waren eine Folge des Irrsinns. Er entmachtete seine Statthalter und stellte sämtliche Legionen unter seinen Befehl. Schon waren die ersten Verschwörer zur Stelle und wollten Caligula stürzen. Dieser bekam aber von den Plänen Wind und ließ sämtliche Verschwörer hinrichten. Seine außerordentliche Verschwendungssucht hatte dazu geführt dass schon im Jahre 38 die Kassen leer waren. Alle Mittel vermochten sie nicht mehr zu füllen, zumal Caligulas Vergnügungslust unersättlich war. Zwar war der Kaiser beim Volk immer noch sehr populär, doch konnte es auf keinen Fall so weiter gehen. So wurde Gaius Iulius Caesar, auch Caligula genannt am 24. Januar 41 von Cassius Chaerea, einem Prätorianeroberst, den Caligula wegen seiner hohen Stimme dauernd in Anwesenheit der Kameraden gehänselt hatte, umgebracht, von niemandem betrauert ausser von seinen germanischen Leibwächtern und dem römischen Mob, der unter seiner Regierung ein fröhliches, unbekümmertes Leben hatte führen können.
Claudius
Die Verschwörer hatten sich auf keinen Thronkandidaten geeinigt. Die Prätorianer fanden Tiberius Claudius Nero, den Bruder Germanicus, den letzten Überlebenden der Dynastie. Sueton hat uns Briefe überliefert, in denen Augustus seine Meinung über dieses Mitglied seiner Familie äußert. Das Urteil ist hart. Der stotternde und unbeholfene junge Mann hat zu Augustus' und Tiberius' Zeiten kein öffentliches Staatsamt bekleiden dürfen. Er war ein schwacher Charakter und wurde dadurch zu einem Spielzeug seiner Umgebung. Vor allem seine Frauen, Geliebten und die Freigelassenen beeinflussten ihn. Man konnte von einer Regierung der "Favoriten" Claudius' sprechen. Seine Vertrauten verfügten über die wichtigsten Machtinstrumente wie den Geldsäckel und das Militär. Wollten sie weiterhin einen solch hohen Einfluss auf die Geschehnisse in Rom haben so mussten sie dafür sorgen dass Claudius nicht abgesetzt wurde. Verschiedene militärische Aktionen wurden eingeleitet, um Claudius Ansehen zu verschaffen. Die Legionen wurden nach Britannien, Thrakien und ins heutige Israel geschickt, um dort Gebiete zu annektieren.
Nachdem diese Schritte getan waren war es wichtig, den inneren Aufbau des Staates gesund zu halten. Die Ausdehnung des römischen Reiches wurde mit der großzügigen Verteilung des römischen Bürgerrechts beschleunigt. Damit sollten die neuen Gebiete auch besser in das bisherige Imperium eingegliedert werden. Eine weitere Änderung wurde auch im Bereich der militärischen Struktur getan. Über die Beförderungsverhältnisse war endlich Klarheit geschaffen worden.
Neben diesen für die Zukunft des Reiches so bedeutungsvollen Maßnahmen verliert das blutige Narrentreiben am Hof des Claudius an Wichtigkeit. Seine habgierige und herrschsüchtige Gattin Messalina ließ zahlreiche vornehme Römer umbringen. Um einen Skandal zu verhindern wurde Messalina von der Prätorianergarde umgebracht. Claudius wurde aber auch durch Schaden nicht klug und heiratete wiederum. Auch die neue Augusta wollte herrschen und dies nicht nur während der Regierungszeit ihres Mannes. So ließ sie ihren Sohn Nero adoptieren. Die Freigelassenen warnten Claudius, und als er ihnen Gehör schenkte wurde er durch den Leibarzt seiner Frau umgebracht. Die Helfer Claudius´ waren zu zerstritten, um den Mord zu verhindern oder ihn zu rächen. Das blieb einem anderen vorbehalten.
Nero
Nero vermochte es ohne Probleme am 13. Oktober 54 den Thron zu besteigen. Seine Mutter Agrippina, die Frau des früheren Kaisers Claudius war am Ziel ihrer Träume: ihr Sohn herrschte mit dem Beistand zweier Männer, die die Mutter ihm zur Seite gestellt hatte. Burrus und Seneca. Die ersten Jahre seiner Herrschaft verliefen befriedigend und es waren keine Zwischenfälle abzusehen. Nero befolgte brav die Ratschläge Burrus' und Seneca's.
Aber eigentlich hatte er seine Vorlieben auf ganz anderen Gebieten als der Politik. Nero war künstlerisch veranlagt, er besaß eine schöne Stimme, malte und bildhauerte gerne und war auch der Dichtkunst nicht abgeneigt. Schon bald verließ er seine Frau zu Gunsten einer anderen. Seneca und Burrus passten auf dass das ganze nicht zu einem Skandal auswuchs. Agrippina war wütend darüber dass sie nicht das letzte Wort sprechen durfte und wollte Nero's jüngeren Bruder zu rechtmäßigen Kaiser proklamieren. Kurzerhand ließ der Kaiser seinen Bruder umbringen und die Kluft zwischen Mutter und Sohn vergrößerte sich weiter.
Schon bald verliebte sich Nero in eine weitere Frau: Poppaea Sabina. Sie wollte sich nicht nur mit dem Status einer Geliebten zufrieden geben und so musste Nero wiederum seine Eheversprechen brechen. Bald wurde klar dass die Tage seiner Mutter gezählt waren. Sie wurde in einem zwielichten Richterentscheid zum Tode verurteilt.
Neben seinen Frauen frönte Nero auch weiterhin seinen musischen Lüsten. Er beschloss sich mehr auf seine künstlerischen Fähigkeiten zu besinnen als auf die Geschicke des Staates. Zu weiterer Berühmtheit gelang Nero auch durch den Brand Roms, der in seiner Zeit statt fand. Die um alles gebrachten Römer schrieen nach einem Sündenbock und wollte Nero nicht selbst als solcher dastehen, obwohl er die Stadt nicht angezündet hatte, musste er nach einem anderen Ausschau halten. Nero fand diesen Sündenbock in den Christen, die er für den schrecklichen Brand verantwortlich machte. Diese Christenverfolgung, war die erste, von der wir wissen.
66 brach Nero zu einer großen Griechenlandrundreise auf, um seine künstlerischen Fähigkeiten zum Besten zu geben. Im Inneren des römischen Reiches herrschte gerade eine Zeit des Wohlstandes, aber an den Grenzen musste man sich, vor allem im Osten, gegen die Parther wehren. Allerdings waren auch militärische Erfolge zu vermelden. So unterwarf Vespasian in methodischer Vorgehensweise Galilaea und Judaea. Nero war mittlerweile von seiner Rundreise zurückgekehrt und musste mit Schrecken vernehmen, dass sich mehrere Statthalter in den Provinzen gegen ihn ausgesprochen hatten. Unter ihnen waren der Statthalter von Gallien, C. Iulius Vindex, der Statthalter Spaniens Salvus Otho und in Afrika hatte sich der Kommandeur der Legionen gegen ihn gewendet. Diese Männer waren nicht gegen den Staat als Institution vorgegangen, sondern gegen die Person Neros, die sie als verschwenderisch und inkompetent ansahen. Die Revolution konnte aber von germanischen Heeren unterbunden werden. Da griffen die Gegner Neros aber zu einem üblen Trick. Sie verunsicherten den Kaiser mit Falschmeldungen über den Verlauf der Dinge. Dadurch wurde dieser völlig verunsichert und nahm sich in seiner Villa im Norden Roms das Leben, indem er sich von zwei Dienern einen Dolch durch die Kehle stoßen ließ. Der Prinzeps war tot, aber die Krise durch diesen gewaltsamen Abgang des Protagonisten durchaus nicht gelöst.
© by Florian Schmidt-Gabain

Kommentare anzeigen (9 Stück) Impressum Octavian - erster KaiserDie Flavische Dynastie