In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Chr. geschahen solch dramatische Veränderungen, die die gesamte
Entwicklung des römischen Reiches entscheidend beeinflussen sollten. Der Wechsel von der Republik von Prinzipat brachte aber
nicht nur auf politischer und wirtschaftlicher Ebene umstossende Veränderungen mit sich, sondern dieser Wechsel verlangte auch
von der Kunst sich in eine andere Richtung zu bewegen - weg von der persönlchen Kunst hin zur propagandistischen, politischen
Kunst. Augustus war der erste, der sich der Mittel der öffentlichen Kunst wirklich voll ausschöpfte, um in der Bevölkerung ein
passendes Bild von ihm zu kreieren. Augustus sagte, er habe Rom als Stadt aus Backstein vorgefunden und als Stadt aus Marmor
verlassen.
Eines der ersten und bedeutesten Bauwerke, das der Kaiser in Rom fertigen liess, war das Forum Augustum - das bis
dahin grösste Forum von Rom. Grösstenteils orientierte sich der Bau des Forum Augustum am bereits bestehenden Cäsar-Forum. Doch
die Architekten des Augustus fügten dem neuen Versammlungsplatz noch eine Neuigkeit hinzu. Dies waren sogennante Exedra,
halbkreisförmige Ausschweifungen die von Säulen abgerundet wurden, an den beiden Längsseiten des Forums. Der Tempel der die
Hauptzierde des Forum darstellte war dem Mars Ultor (Mars der Rächer) geweiht. Hierdurch kann man bereits erkennen, dass Augustus
die Gestaltung öffentlicher Räume zu seinen Zwecken ausnützte. Indem er den Mars als Mars Ultor darstellen liess, wiess er darauf
hin, dass er den Tod des Caesars gerächt hatte. Die erwähnten Exedra dienten Augustus ebenfalls zu Zwecken der Selbstinszenierung;
er liess dort Statuen seiner Vorfahren errichten, die die Gloriösizität der Gens Julia (Gens Julia = Geschlecht der Julier zu dem
Augustus gehörte) zum Ausdruck bringen sollten.
Schon zu Lebzeiten veranlasste Kaiser Augustus den Bau seines eigenen Mausoleums, seiner Grabstätte also.
|
|
Mausoleum des Augustus
|
Gedacht war das Mausoleum allerdings als Familiengrab, in welchem die geamte Gens Julia begraben werden sollte.
Das Mausoleum des Augustus war ein gewaltiger Rundbau mit einem Durchmesser von 87 Metern. Gebaut wurde diese Monument unmittelbar
vor den Toren der Stadt Rom, so dass ein jeder, der die Stadt betrat sofort die Grösse des Kaisers erkannte. Das Mausoleum muss auf
die Bevölkerung gewirkt haben wie ein riesiger tumulus (vergleiche Etrusker) - der Grabhügel der Etrusker. Mit dieser Verbindung
wollte Augustus offenkundig die alt-italische Tradition ehren und wiederbeleben.
|
|
Säulentypen aus dem Theater des Marcellus
|
Ebenfalls unter Augustus wurde das Theater des Marcellus - eines der ersten Steintheater überhaupt - gebaut. Noch heute
ist das Theater gut erkennbar und einige Anhaltspunkte auf den Säulenmix, in dem das Theater gebaut wurde, sind immer noch erhalten.
Denn war das Theater des Marcellus - benannt nach dem Schwiegersohn des Augustus - aus drei verschiedenen Arten von Säulen, deren
Typen alles samt dem griechischen Vorbild entlehnt sind, erstellt worden. Die unterste Reihe der Bogenfolge benützte als Stütze
und Dekoration zwischen den einzelnen Bögen dorische Säulen. Im ersten Stock wurden ionische Säulen eingesetzt und im zweiten Stock
verwendete man die korinthische Variante (Säulen siehe Abbildung).
Am Ende der augusteischen Ära schmückten zwei weiere Theater die Gegend um das Marcellus-Theater, die somit zum
eigentlichen Theaterviertel von Rom wurde. Die Form des Theaters des Marcellus, halbrund mit abgeschlossenem Bühnenkomplex,
setzte sich im ganzen Reich durch und war das Vorbild vieler, wenn nicht aller, römischer Theater.
Die Büsten- und Statuenkunst fand unter Augustus wieder zurück zu einem klassischen, idealisierenden Stil, den man
augusteischen Klassizismus nennt. Der augusteische Klassizismus war eng verbunden mit dem Propagandaprogramm des Augustus,
|
|
Panzertatue des Augustus aus Prima Porta
|
welches ihn als Herrscher darstellen sollte, der über alle Zweifel erhaben ist und obwohl Augustus es ablehnte öffentlich als
Gott dargestellt zu werden finden sich einige berühmte Beispiel, in denen der Prinzeps unweigerlich als Gott dargestellt wurde.
So die Panzertatue des Augustus aus Prima Porta (siehe Abbildung). Die nackten Füsse, die glatte Haut, der perfekte Körper und
besonders der kleine Cupido, der auf einem Delphin schwimmt und neben dem linken Fuss des Augustus plaziert ist, sind Zeichen für
die Göttlichkeit Augustus'.
|
|
Augustus als Pontefix Maximus
|
Denn mit nackten Füssen wurden mit Vorliebe die Götter abgeildet und auch die sonstigen vollendeten Eigenschaften des
Körpers schrieb man den Göttern zu. Der kleine Cupido verweist darauf, dass die Julier von sich behaupteten sie stammen von der
Göttin Venus ab und eben der kleine Cupido war der Sohn der Venus.
Darstellungen des Augustus sind fast immer sofort zu zuordnen. Dies ist nicht verwunderlich, da Augustus sich immer
genau nach dem gleichen Schema abbilden liess. Dieses Schema beihaltete die oben erwähnten Merkmale der glatten Hau und des perfekten
Körper. Hinzu kamen noch das schöne Haar, von dem immer drei Locken in die Stirn fielen, und die kleine Erhebung der Nase kurz nach
der Stirn. Zum Vergleich mit der ersten Statue sei hier noch eine zweite aufgeführt, nälich, diejenige die den Kaiser Augustus als
Pontifex Maximus darstellt. Es fällt nicht schwer, die genannten Merkmale auch auf dieser Statue sofort zu finden. Mit dieser Art
der vollkommen konsequenten Selbstdarstellung eröffnete Augustus ein neues Kapitel in der römischen Kunstgeschichte.
Die Ehefrau des Augustus, Livia, wurde in der gleichen idealisierenden Art dargestellt, wie man Augustus darzustellen
pflegte. Es ist anzunehmen, dass beide - Augustus und Livia - die "Modetrends" der damaligen Zeit vorgaben, wie das Bild einer
normalen Bürgerin aus Praeneste zeigt, die dieselbe Frisur wie Livia getragen hatte.
Wie die Porträtkunst stand auch die Reilefkunst ganz im Zeichen kaiserlicher Propagandadrastellung. Ein wunderschönes
Beispiel hierfür dürfte der ara pacis augustae sein. Der Altar des augusteischen Friedens, wie die Übersetzung lautet, ist rundum
mit Reliefs geschmückt, die alle dem Zwecke der Selbstverherrlichung des Augustus und seiner Familie dienen. Von seinen Vorfahren
übernommen hat Augustus die beiden verschiedenen Stile der Reliefkunst: den heimisch-italischen plebejischen Stil, der für die
Darstellung weltlicher Thmen eingesetzt wurde, und den klassizistischen Stil, mit dem man Götterdarstellungen anfertigte.
Eine Reliefszene im plebejischen Stil zeigt eine kaiserliche Prozession, an der die gesamte Familie (Familie im Sinne
des 20. Jahrhunderts) des Augustus und zahlreiche Senatoren teilnehmen. Die Famile und die Senatoren bilden die beiden Machtapparate
im römischen Reich. Augustus legte grossen Wert darauf, den Senat ebenfalls als tragende Macht im Staate darzustellen, da dies
der römischen Tradition entsprach. Doch war diese Darstellung nur Schein. Denn in Wirklichkeit war Augustus der absolute Herrscher
über das ganze Reich und hatte mit seinem Vetorecht den Senat vollkommen in seiner Hand.
Eine Darstellung im klassizistischen Stil zeigt, als Pendant zur weltlichen Darstellung der Senatoren und der Familie
Augustus', die Göttin Pax (Göttin des Friedens) oder die Göttin Tellus (Göttin der Mutter Erde). In diesem Punkt sind sich die
Experten nicht einige, wobei ich persönlich die Variante der Pax bervorzuge, da die pax augusta (Augusteicher Frieden) wohl das
wichtigste Anliegen des gesamten Propagandaprogramms des Augustus gewesen sein mag. Auf jeden Fall sind auf diesem Relief deutlich
die Kennzeichen des klassizistischen Stil zu erkennen: schöne Rundungen, vollendete Komposition und Miteinbeziehung der Landschaft.
Die Ruhe und Wohligkeit, die die Szene ausstrahlt, betonen den Frieden des Augustus, der im ganzen Reich geherrschat hatte.
Die ara pacis augusta böte noch unendlich viel Interpretationsmöglichkeiten uns Stilrichtungen, die man sich genauer
ansehen könnte. Und auch andere Reliefs, allen voran diejenigen der basilica aemilia, aus der augusteischen Zeit sind reichlich
vorhanden und würden den Propagandstil des Augustus illustrien. Solch eine umfassende Besprechung von einzelner Details ist aber
nicht das Ziel dieser Kunstgeschichte, sondern es soll ein Einblick geschaffen werden in das römische Kunstschaffen der
verschiedenen Epochen und Jahrhundere. Also wollen wir uns nun weiteren interessanten Aspekten der Augustuszeit zuwenden.
Die Frau Augustus', Livia, besass zwei Häuser, die mit zahlreichen Wandmalereien, alle gemalt im zweiten pompejischen
Stil, geschmückt waren. Sie zeugten von der Begeisterungsfähigkeit der Römer für die Natur und verwandelten die gesamte Wand in eine
offene Landschaft. Einige der Wandmalereine erinnerten auch an die ara pacis augustae, was zeigt, dass auch die Wandmalereien zu
einem Teil kaiserlicher Selbstdarstellung genutzt werden konnten.
Wichtig für die Ära Augustus' ist besonders die Herausbildung des dritten pompejischen Stils.
Wie schon bei den beiden vorangegangen Stilen, soll nun eine kurze Charakterisierung folgen.
|
|
Beispiel für den dritten pompejianischen Stil
|
Der dritte pompejische Stil unterscheidet sich von den ersten beiden pompejischen Stilen besonders an einer Stelle sehr stark.
Ist nämlicher der dritte pompejische Stil nicht mehr primär an einer zusätzlichen Raumgewinnung interessiert oder an der Schaffung
eine künstlichen dreidimensionalen Gebildes, sondern an der Umsetzung von ornamentalen Pedimenten. Dies geschah mit der Hilfe
monochromer Flächenbemalungen, aus der griechischen Welt entlehnten kleinen Vignetten, die meist Bäume, Statuen und Menschen d
arstellten, und ganz feinen, aufgemalten Säulen.
Eine andere Art die Häuser zu schmücken bildet sich ebenfalls unter Augustus heraus: die Stuckverzierungen an den
Decken. Man könnte sie als Reliefe, gearbeitet in Putz, bezeichnen, die die Motive und Darstellungsweise der Wandmalerei aufgriffen.
Also eine Zusammenführung von Reliefs und Wandmalereien.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ära Augustus geprägt war von Zwecken der Selbstdarstellung und der Propaganda,
wobei besonders die pax augusta, die Augustus geschaffen hatte betonte wird, aber auch vergleiche mit dem klassischen Griechenland
und der römischen Tradition gemacht werden. Augustus' Stil und seine Vorgehensweisen waren Vorbild für seine Nachfolger auf dem
Kaiserposten. Seine Nachfolger lernten von den fruchtbaren Möglichkeiten der Assozationen in der Kunst und so diente Augustus in
den nachfolgenden Jahrhunderten als viel gebrauchtes Exempel.
|
|