Obwohl von den etruskischen Tempeln aus erwähnten Gründen nicht mehr viel erhalten ist, weiss man vor allem durch
Rekonstruktionen, dass die Dächer mit sogenannten Tempelfiguren geschmückt waren. Die Tempelfiguren waren, wie die Tempel
selbst, aus Terrakotta gefertigt und das wohl berühmteste Beispiel, das hier zu nennen ist, ist die Figur des "Apollo von Veii",
die heute im Museo Nazionale di Villa Giulia in Rom steht (siehe Abbildung).
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Apollo von Veii
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Die Tempelfiguren glichen in ihrer Art stark den archaischen Figuren der Griechen, die in derselben Zeit geschaffen
wurden. Dennoch kann man nicht einfach sagen, dass die etruskische Tempelfigurenkunst einfach eine Untergruppe der Archaik sei.
Zwar sind auch bei den etruskischen Figuren typische Elemente der griechischen Archaik, wie z.B. das ‚archaische Lächeln' enthalten,
doch wichtig ist auch, dass man die grundlegenden Unterschiede erkennt. Hier sind vor allem das Material - die Etrusker benutzten
Terrakotta, die Griechen jedoch Marmor, welcher eine recht verschiedene Bearbeitungstechnik als der Terrakotta voraussetzte -
und einige, anfänglich detailhaft erscheinende, doch nicht zu unterschätzende, Unterschiede im Erscheinungsbild. Mit diesen
Unterschieden sind der lebendigere Ausdruck der etruskischen Tempelstatue und deren Bekleidung gemeint. Wenn man nun alle diese
Elemente zusammen nimmt, kann man sagen, dass die Etrusker die Archaik zum Vorbild hatten, doch daraus etwas vollkommen
eigenständiges produzierten, das man nur als etruskisch bezeichnen kann.
Ebenfalls zu grosser Berühmtheit haben die etruskischen Tierplastiken aus Bronze gefunden. Insbesondere die
"kapitolinische Wölfin" und die "Chimäre von Arezzo" (vergleiche Abbildungen) sind Prachtstücke der etruskischen Bronzeplasikkunst.
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etruskischen Bronzeplasikkunst: Chimäre von Arezzo
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Allerdings stammen die beiden weltberühmten Tierplastiken nicht aus derselben Periode und haben somit auch nicht immer
dieselben Erkennungsmerkmale.
Die "kapitolinische Wölfin" stammt aus der schon des öfteren erwähnten archaischen Periode und weisst demzufolge auch
archaische Element auf. In der Grundtendenz ist die Wölfin zwar realistisch und naturgetreu geformt, doch bei genauerem Hinsehen
sind Verzierungen des Fells, des Halses und des Rückens, die nicht naturalistisch sind, zu erkennen. Diese Verzierungen sind
wiederum typisch etruskisch archaisch inspirierte Formen des Darstellung.
Die "Chimäre von Arezzo" hingegen weisst keine solche dekorative Musterungen auf. Auch wenn sie kein wirklich real
existierendes Wesen war, sondern ein mythologische Figur (die Chimäre ist ein Wesen, das Löwe (Kopf und Körper), Schlange (Schwanz)
und Ziege (wächst aus dem Rücken) zugleich ist. Der Überlieferung zu Folge war die Chimäre ein rasendes Ungeheuer, das Feuer spie.
Homer erzählt uns in seiner Ilias, dass der griechische Held Bellerophon die Bestie tötete.), so wurde doch grössten Wert auf ein
vollkommenes Abbild der Natur gelegt. Der ganze Körper der Chimäre ist von einer unglaublichen Spannung gezeichnet und wirkt so
sehr lebendig.
Zu den Statuen und Porträts der Etrusker ist eigentlich dasselbe zu sagen wie schon zu den Tempel- und Tierfiguren:
die Stilwandlungen von der idealisierenden und nicht vollkommen naturalistischen Art der etruskischen Archaik, zur etruskischen
Klassik, zum Vorläufer der römisch-republikanischen Art darzustellen, ist auch bei den Statuen und Porträts eindeutig zu erkennen.
Typische Statuen und Porträts, die hier zu nennen sind, sind die Bronzestatue des "Mars von Todi" und die Büste des sogenannten
"Brutus".
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Mars von Todi
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Dass der "Mars von Todi" ein Vertreter der klassischen Zeit ist, kann man daran erkennen, dass seine Körper- und
Gesichtszüge stark idealisiert sind. Etruskisch an dieser Statue ist vor allem die enorme Lebendigkeit, die sie ausstrahlt. Es
scheint als wolle der dargestellte Gott gleich beginnen zu tanzen.
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Büste des Brutus (300 v. Chr.)
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Die Büste des "Brutus" stammt ungefähr aus dem Jahre 300 vor Chr. Brutus, dies war der Name des ersten römischen Konsuln,
der den Geschichtsschreibern zufolge den letzten der etruskischen Könige - Tarquinius Superbus - aus Rom vertrieben haben soll.
Allerdings wurde zwischen der Büste und dem historischen Brutus nie ein Zusammenhang nachgewiesen; die Namensgebung stammt auch
erst aus dem 16. Jahrhundert und wurde aber trotzdem bis heute beibehalten. Zurück zum Stil, in dem die Bronzeplastik gefertigt ist.
Sie weist keine idealisierten Züge im klassischen Sinn mehr auf, sondern sie ist an den tatsächlichen Gegebenheiten
ausgerichtet. Allerdings darf man auch hier nicht damit rechnen, dass die Abbildung zu 100 Prozent der Wirklichkeit entspricht.
Es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Büste hin auf die römischen Tugenden - Charakterstärke, Weitblick,
Intelligenz und gutes Aussehen - gefertigt worden ist. Abschliessend kann man also sagen, dass es bei der Kunst des Menschenabbildens
die Entwicklung gab: weg vom Schönheitsideal, hin zu einem Ideal der Tugenden, das aber trotzdem dem richtigen Bild des Menschen
viel näher kam, als das der klassischen Zeit.
Wenn man von etruskischer Malerei spricht, dann ist eigentlich immer die Wandmalerei gemeint, die sowohl Gräber als
auch Gebäude zierte. Leider sind uns heute fast keine solche Malereien mehr erhalten, so dass es ein Glücksfall ist, dass man in
Tarquinia, einer Stadt wenig nördlich von Rom, ziemlich umfangreiche Grabmalereien finden konnte. Sie zeugen von einer umfassenden
italischen, nicht nur etruskischen Tradition der Malerei.
Themen mit denen die Maler ihre Werke illustrierten waren mythologische Szenen, athletische Wettbewerbe und grosse Feste.
Oft sind hier Darstellung aus der griechischen Mythologie zu finden Achilleus der dem troianischen König Troilus einen Hinterhalt
stellte. Die Wahl des Sujets der Grabmalereien wurde oft durch die Eigenschaften des Verstorbenen bestimmt. So wurde anhand des
Gemalten die lobenswerten Charaktereigenschaften des Toten hervorgehoben. Im erwähnten Beispiel des Achilleus wären dies: Mut und
Planung, da er dem Troilus nicht einfach in offener Konfrontation begegnet, sondern ihn in einen Hinterhalt lockt.
Die Farben, die die antiken Künstler benützten, waren leuchtend und stark. Rot, Blau, Purpur und Grün waren in ihrem
Einsatz sehr beliebt. Der Stil, in dem die ‚Bilder' gemalt wurden, war weniger ein naturalistischer, als ein narrativer, mit dem
Ziel dem Betrachter möglichst gut die Absicht hinter dem Bild zu vermitteln. So stimmen oft Proportionen zwischen Mensch, Tieren
und Umwelt nicht überein; dafür ist einem aber sofort klar, wer welche Rolle in der Malerei spielt und was die Figur aussagen will.
Abschliessend ist zur gesamten etruskischen Kunstentwicklung zu sagen, dass sie hervorgegangen ist aus der traditionellen
Villanovakultur und anderseits viele fremde Einflüsse - besonders griechische - auf sie einwirkten. Ganz wichtig sind aber die
Etrusker selbst, die ihrer Kultur und Kunst das unverwechselbar Lebendige gaben und sie so von allen anderen Kunstrichtungen ihrer
Zeit unterscheiden.
Im Zusammenhang mit der frühen römischen Kunst spielte die etruskische vor alle in der Zeit von 700 - 500 vor Chr. eine
Entscheidende Rolle, später schwächte sich ihr Einfluss allmählich ab.