[22] Nun wird man vielleicht fragen, da das so ist, wie überhaupt ein großer Krieg übrigbleiben kann. So wisset denn, ihr Quiriten; es scheint, dass dies nämlich nicht ohne Grund gefragt wird. Zuerst floh Mithridates so aus seinem Königreich, wie einst jene bekannte Medea aus demselben Pontus geflohen sein soll. Man erzählt, dass diese auf der Flucht die Körperteile ihres Bruders an denen Stellen verstreute, wo der Vater sie verfolgte, damit das Aufsammeln des Zerstreuten und die väterliche Trauer die Schnelligkeit der Verfolgung verzögerten. So ließ Mithridates auf der Flucht sehr große Mengen Gold und Silber und alle möglichen sehr schönen Dinge in Pontus zurück, die er sowohl von seinen Vorfahren geerbt als auch aus ganz Asien in einem früheren Krieg geraubt und in sein eigenes Reich gebracht hatte. Während unsere Leute diese Dinge allzu sorgfältig aufsammelten, entfloh ihnen der König selbst aus den Händen. So hat jenen die Trauer im Eifer der Verfolgung verlangsamt, diese die Freude.
[23] Diesen nahm auf dieser schreckensreichen Flucht Tigranes, der armenische König, auf und stärkte den an seiner Lage verzweifelten und richtete den Niedergeschlagenen wieder auf und stellte den Vernichteten wieder her. Später kam Lucius Lucullus mit seinem Heer in dessen Königreich; mehrere Völker waren gegen unseren Feldherren aufgehetzt. Diesen Völkern, welche das römische Volk weder zu einem Krieg reizen noch beunruhigen wollte, war nämlich Furcht eingeflößt worden. Zudem ging noch ein bedenklicher den Fanatismus aufpeitschender Verdacht um, der diese barbarischen Völker erfaßt hatte, nämlich: unser Heer sei in diesen Raum geführt worden, um einen ungeheuer reichen und hochverehrten Tempel zu plündern. So wurden zahlreiche große Stämme durch eine geradezu unerhörte Schreckenskunde und Befürchtung aufgehetzt. Unser Heer aber wurde trotz der Einnahme einer Residenzstadt im Reich des Tigranes und trotz siegreicher Gefechte durch die allzu große Entfernung dieser Gegenden und durch das Heimweh nach Angehörigen beunruhigt.