Dädalus, der Kretas und der langen Verbannung überdrüssig war und der
berührt war von der Liebe zur Heimat, [185] war inzwischen vom Meer umschlossen.Mag
Minos das Land und das Meer versperren, jedoch steht der Himmel sicher offen.
Auf diesem Weg werden wir gehen.Er mag alles besitzen, die Luft besitzt
Minos aber nicht. Er sprach's und richtete seine Sinne auf unbekannte Künste und
schafft die Natur neu.
Dann richtet er die Federn in einer Reihe aus (mit der kleinsten
beginnend, [190] wobei die kürzere der längeren folgt), so dass Du glaubst sie seien am
Hang gewachsen, so steigt zuweilen die Bauernflöte allmählich an mit ungleichen
Halmen. Dann befestigt er sie in der Mitte mit einer Schnur und die
untersten mit Wachs, und biegt die so geordneten in einer leichten Krümmung, so dass
er echte Vögel nachahmt.
Der Knabe Ikarus stand dabei und nicht wissend, dass er mit seiner eigenen
Gefahr spiele, haschte er bald mit strahlendem Gesicht die Federn, die ein
leichtes Lüftchen bewegt hatte, bald knetete er mit seinem Daumen das weiche
Wachs und bewunderte das bewundernswerte Werk des Vaters und behinderte ihn
mit seinem Spiel. [200] Schließlich, nachdem dem begonnenen Werk letzte Hand
angelegt worden war, brachte er selbst seinen Körper zwischen die beiden Flügel
ins Gleichgewicht und hing in der bewegten Luft. Er unterwies auch den Sohn
und sagte: ich ermahne Dich, dass Du auf der mittleren Bahn fliegst, damit
nicht die Welle Deine Federn beschwert, wenn Du zu tief fliegen wirst und nicht
das Feuer sie versenkt, wenn Du zu hoch fliegen wirst. Fliege zwischen
beiden!Ich befehle Dir nicht den Ochsentreiber oder das Schneckengewinde zu
betrachten und das gezogene Schwert des Orion.Bewältige den Weg mit mir als
Führer.
Während er die Flugvorschriften überlieferte passt er gleichzeitig die
unbekannten Vogelflügeln den Schultern an. [210] Zwischen der Arbeit und den
Ermahnungen waren die Wangen des alten Mannes feucht geworden und die Hände des
Vaters zitterten.Er gab seinem Sohn Küsse, die er nicht wiederholen sollte und er
fliegt voraus von den Flügeln erhoben und er fürchtet um den Begleiter, wie
ein Adler, der von seinem hohen Nest in der Luft welch zarte
Nachkommenschaft hervorbrachte und ermahnte zu folgen und lehrte die Kunst des Schädlichen
und er selbst bewegt seine Flügel und kümmert sich um den Sohn.
Diese sah wohl mancher während er Fische mit der zitternden Angelrute fing
oder ein Hirte gestützt auf seinen Stab oder ein Bauer gestützt auf seinen
Pflugsterz und erschrak und glaubte es seien Götter, [220] die durch den Himmel
fliegen könnten.
(Und schon lag zur linken das der Iuno geweihte Samos und es waren Delos
und Paros zurückgelegt worden) Lebinthus und das an Honig reiche Calymne war
rechts gelegen, als der Knabe anfängt sich zu freuen und er lässt den Vater
im Stich und nahm eine höhere Bahn von der Begierde nach dem Himmel
gezogen.Die Nähe der sängenden Sonne macht das duftende Wachs weich, das Bindemittel
der Federn.Das Wachs schmolz.Jener schüttelt seine nackten Arme und ohne
Ruderwerk fängt er keine Luft mehr auf und sein Mund, der oftmals den Namen
des Vaters aufschreit, [230] wird vom blauen Wasser aufgenommen: dieses bekam den
Namen von jenem.Doch der unglückliche Vater, der schon nicht mehr Vater war,
sagte:"Ikarus,Ikarus,wo bist Du?In welchem Gebiet soll ich Dich suchen?" Er
sagte:"Ikarus" ,er betrachtete die Flügeln im Meer und verfluchte seine
Künste, und er begrub den Körper im Grabmal.Und das Land bekam den Namen vom
Begrabenen.