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Übersetzt von Felix Stadelmaier
[1] Aristides, der Sohn des Lysimachus, war ein Athener. Er war fast genauso alt wie Themistokles, weshalb er mit ihm um das höchste Staatsamt kämpfte, denn sie waren sich einander zuwider. Von ihnen beiden aber ist bekannt, wie viel besser ihre Beredsamkeit im Gegensatz zu ihrer Rechtschaffenheit war. Denn obwohl sich Aristides so sehr durch Enthaltsamkeit auszeichnete, dass er seit Menschengedenken als Einziger, von dem ich jedenfalls gehört habe, den Beinamen Iustus bekam, wurde er dennoch von Themistokles gestürzt und durch jenes Scherbengericht zu zehn Jahren Exil verurteilt. Als dieser aber erkannte, dass er die aufgewiegelte Menge nicht zurückhalten könne, ging er weg und bemerkte dabei, dass einer schrieb, er solle ins Exil gehen. Er soll den gefragt haben, warum er das mache oder was Aristides getan habe, weshalb er so harte Strafe verdient habe. Jener antwortete ihm, er kenne Aristides nicht, aber es gefalle ihm einfach nicht, dass der unbedingt vor über allen Anderen stehend Iustus genannt werden wollte. Aristides musste die nach den Gesetzen zehn Jahre dauernde Strafe aber nicht voll absitzen, denn im sechsten Jahr seiner Verbannung wurde er per Volksbeschluss in die Heimatstadt zurückgerufen.
[1] Aristides, Lysimachi filius, Atheniensis, aequalis fere fuit Themistocli. Itaque cum eo de principatu contendit; namque obtrectarunt inter se. In his autem cognitum est, quanto antestaret eloquentia innocentiae. Quamquam enim adeo excellebat Aristides abstinentia, ut unus post hominum memoriam, quem quidem nos audierimus, cognomine Iustus sit appellatus, tamen a Themistocle collabefactus, testula illa exsilio decem annorum multatus est. Qui quidem cum intellegeret reprimi concitatam multitudinem non posse cedensque animadvertisset quendam scribentem, ut patria pelleretur, quaesisse ab eo dicitur, quare id faceret aut quid Aristides commisisset, cur tanta poena dignus duceretur. Cui ille respondit se ignorare Aristiden, sed sibi non placere, quod tam cupide elaborasset, ut praeter ceteros Iustus appellaretur. Hic X annorum legitimam poenam non pertulit. Nam postquam Xerxes in Graeciam descendit, sexto fere anno, quam erat expulsus, populi scito in patriam restitutus est.
[2] Er hatte aber an der Seeschlacht von Salamis teilgenommen, die geführt worden war, bevor er von der Strafe befreit wurde. Zugleich war er der Anführer in der Schlacht bei Platää gewesen, wo das Heer der Barbaren aus dem Felde geschlagen und Mardonius getötet worden war. Auf militärischem Gebiet wurde keine seiner Taten so berühmt wie dieser Oberbefehl. Aber vieles von seiner Gerechtigkeit, seiner Genügsamkeit und seiner Rechtschaffenheit wurde berühmt, besonders, weil der Oberbefehl der Flotte auf Grund seiner Genügsamkeit von den Spartanern auf die Athener überging, da er in der gemeinsamen Flotte Griechenlands gemeinsam mit Pausanias Dienst leistete, unter dessen Befehl Mardonius in die Flucht geschlagen worden war. Denn bevor dies geschah, waren die Spartaner die Oberkommandierenden zu Lande und zur See. Auf Grund der Anmaßung des Pausanias wie auch des Gerechtigkeitssinns des Aristides schlossen sich fast alle Städte Griechenlands dem Bund der Athener an und wählten sich diese als Führer gegen die Barbaren.
[2] Interfuit autem pugnae navali apud Salamina, quae facta est prius, quam poena liberaretur. Idem praetor fuit Atheniensium apud Plataeas in proelio, quo Mardonius fusus barbarorumque exercitus interfectus est. Neque aliud est ullum huius in re militari illustre factum quam huius imperii memoria, iustitiae vero et aequitatis et innocentiae multa, in primis quod eius aequitate factum est, cum in communi classe esset Graeciae simul cum Pausania, quo duce Mardonius erat fugatus, ut summa imperii maritimi ab Lacedaemoniis transferretur ad Athenienses. Namque ante id tempus et mari et terra: duces erant Lacedaemonii. Tum autem et intemperantia Pausaniae et iustitia factum est Aristidis, ut omnes fere civitates Graeciae ad Atheniensium societatem se applicarent et adversus barbaros hos duces deligerent sibi.
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[3] Aristides wurde dazu ausgewählt, festzusetzen, wie viel Geld jede Stadt geben sollte, um Flotten zu bauen und Heere auszuheben, um diese umso leichter zurückzuschlagen, wenn sie wieder Krieg anfangen wollten. Nach seinem Willen wurden jedes Jahr 460 Talente nach Delos verbracht; sie wollten nämlich, dass hier ihre gemeinsame Kasse läge. Später wurde all das Geld nach Athen überführt. Es gibt keinen sichereren Beweis, wie enthaltsam Aristides lebte, als den: er starb in solcher Armut, dass er kaum Bestattungskosten hinterließ, obwohl er doch bei so vielen Ereignissen die Hauptperson war. Daher wurde beschlossen, seine Töchter auf Staatskosten großzuziehen und mit Mitgiften aus dem Staatsschatz ausgestattet zu verheiraten. Er starb aber fast vier Jahre später, nachdem Themistokles aus Athen verbannt worden war.
[3] Quos quo facilius repellerent, si forte bellum renovare conarentur, ad classis aedificandas exercitusque comparandos quantum pecuniae quaeque civitas daret, Aristides delectus est, qui constitueret, eiusque arbitrio quadringena et sexagena talenta quotannis Delum sunt collata. Id enim commune aerarium esse voluerunt. Quae omnis pecunia postero tempore Athenas translata est. Hic qua fuerit abstinentia, nullum est certius indicium, quam quod, cum tantis rebus praefuisset, in tanta paupertate decessit, ut, qui efferretur, vix reliquerit. Quo factum est, ut filiae eius publice alerentur et de communi aerario dotibus datis collocarentur. Decessit autem fere post annum quartum, quam Themistocles Athenis erat expulsus.
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