Tiberius Claudius Nero Germanicus wurde am 1. August 10 v.Chr. in Lugdunum (Lyon) geboren. Seine Eltern waren Drusus
(38-9v.Chr.), der Bruder des späteren Kaisers Tiberius (14-37), und Antonia Minor, die Tochter des Marcus Antonius aus der Ehe
mit Octavia (der Nichte Caesars). Seine Geburt lief nicht ohne Komplikationen ab: Zeit seines Lebens blieb Claudius (vermutlich
aufgrund eines Fehlers des Arztes bei der Geburt) leicht gehbehindert. Ausserdem wird in vielen zeitnahen Quellen berichtet,
Claudius habe zuweilen gestottert oder Speichel verloren. Während seiner Kindheit blieb Claudius weitestgehend im Schatten
seines älteren Bruders Germanicus (15v.-19n.Chr.). Da wegen seiner körperlichen Behinderung und häufiger Krankheiten eine
militärische Laufbahn ausgeschlossen war, wurde Claudius in den klassischen Fächern (Literatur, Rhetorik und Philosophie)
ausgebildet. Er veröffentlichte leider nicht mehr erhaltene Werke wie eine Geschichte Roms, philosophische Texte und eine
Autobiographie (lesenswert die fiktive Biographie "Ich, Claudius, Kaiser und Gott" von Robert Ranke-Graves).
Erst im Jahre 37 bekleidete Claudius sein erstes öffentliches Amt (consul suffectus). Als Caligula (37-41) am 24. Januar von den
Prätorianern ermordet wurde, war der der Senat schon entschlossen, das Principat abzuschaffen und die Republik
wiederherzustellen. Claudius wurde jedoch von der Prätorianergarde zum Kaiser ausgerufen (nachdem sie ihn hinter einem
Vorhang versteckt im Palast fanden) und dem Senat blieb nur die Bestätigung der Wahl (25. Januar 41). Claudius war der erste
Kaiser, der den Prätorianern ein Donativ (in Höhe von 15.000 Sesterzen pro Mann) zu seinem Regierungsantritt versprach.
Sofort begann Claudius eine rege Tätigkeit: die Mörder Caligulas wurden hingerichtet, die Majestätsprozesse abgeschafft und die
kaiserliche Bürokratie wurde neu gegliedert und ein zentralistischer Ausbau betrieben. An der Spitze der Ressorts standen
Freigelassene wie Narcissus als Kabinettschef oder Pallas als Finanzsekretär, die zeitweise gefährliche Machtfülle erlangten. Um
sein Ansehen als Kaiser zu steigern (im Jahre 42 wurde eine Verschwörung gegen Claudius unter Beteiligung zahlreicher
Senatoren aufgedeckt), begann Claudius, lang geplante militärische Unternehmungen in die Tat umzusetzen. Es gelang die
Eroberung des südlichen Britanniens (43), neue Provinzen wurden gegründet (Judäa 44 und Thrakien 46n. Chr.) bzw. Mauretanien
befriedet (42) und neu gegliedert. Der Stärkung alter römischer Religionen ging die Verfolgung der keltischen Druiden und die
Ausweisung der Astrologen aus Italien voraus. Des weiteren wurden zahlreiche Bauvorhaben umgesetzt, so z.B. der Ausbau des
Hafens in Ostia, ein neues Aquädukt für Rom gebaut und neue Kolonien gegründet (u.a. Köln).
Trotz dieser Erfolge blieb die Herrschaft des Claudius unbeständig: blindes Vertrauen in seine Sekretäre bzw. in seine dritte Frau
Messalina lassen ihn als einen leicht lenkbaren und abhängigen Mann erscheinen. Erst in letzter Minute wurde dem Verrat der
Messalina, die (laut historischer Quellen) öffentlich Hochzeit mit C. Silius feierte, ein Ende gesetzt: Silius wurde umgehend
hingerichtet, Messalina blieb nur der Selbstmord übrig. Nach seiner Heirat mit Agrippina der Jüngeren (die Tochter seines Bruders
Germanicus) im Jahre 49 wurde deren Einfluss immer stärker. Ihr Sohn Nero (51-68) wurde 50 von Claudius adoptiert, heiratete
53 Octavia (die Tochter des Claudius), während der natürliche Sohn des Claudius, Britannicus (42-54), immer mehr in den
Hintergrund gedrängt wurde. Laut Tacitus vergiftete Agrippina schliesslich ihren Ehemann Claudius (am 13. Oktober 54). Nach
dem Genuss eines Pilzgerichts wurde Claudius, um das Erbrechen zu erleichtern, eine mit Gift bestrichene Feder in den Hals
eingeführt, das ihn schliesslich tötete. Nero wurde umgehend den Prätorianern und dem Senat als neuer Kaiser vorgeführt;
Claudius dagegen zum Gott erklärt.
Trotz seiner anscheinenden Behinderung und seiner Verhöhnung durch antike Schriftsteller (Senecas "Apocolocyntosis" -
"Verkürbissung des Kaisers Claudius") war er der vielleicht fähigste Kaiser aus der julisch-claudischen Familie nach Augustus.