Optimus princeps war der Ehrenname, den Kaiser Trajan - nota bene als
einziger Kaiser der diese Auszeichnung je in Anspruch nehmen durfte - im Jahre
114 nach Chr. vom Senat für seine lobenswerten Leistungen auf allen
Gebieten verliehen bekam. Doch nicht nur dieses Ehrenabzeichen, das seine
Berechtigung durchaus und nicht zu letzt im römischen Volk hatte, spiegelte
die Besonderheit des Prinzeps. Trajan war auch der erste Kaiser der nicht aus
dem latinischen Stammland - Italien - stammt, sondern aus der Provinz Baetica,
die sich im heutigen Spanien befindet, was ein weiterer Grund für seine
Beliebtheit in der gesamt römischen Bevölkerung war. Ein Herrscher aus
nicht römischem Urland konnte sich der Sympathie der provinzial
Bevölkerung sicher sein und konnte man sich rühmen so erfolgreich wie
Trajan zu sein, war auch die Zuneigung des schon seit den Zeiten des
Pyrrhoskrieges altlatinischen Volkes sicher gestellt.
Als Trajan im Jahre 98 den Thron des
Alleinherrschers besteigen konnte, brachte er schon beachtliche Erfahrung in der Führung
eines Staates mit sich. Denn war er im Oktober des
Vorjahres von dem damaligen Kaiser Nerva zum Quasimitregenten gemacht worden, indem er von Nerva
adoptiert wurde und dieser ihn mit der tribunizischen Gewalt ausstattete.
Trajans Weg war durch die glänzende Karriere seines
Vaters, der als Statthalter von Syrien amtete, geebnet worden. Durch diesen
Umstand kam der junge Trajan schon früh mit Staatsgeschäften in
Kontakt und trotzdem konnte man nicht behaupten, dass Trajan eine übliche
Beamtenlaufbahn durchmachte. Er war nämlich ein geborener Soldat, der es
dem einträglicheren und zugleich angenehmeren Leben im senatorischen Rom
vorzog zusammen mit seinen Soldaten mehrere Jahre unter den Waffen zu stehen.
Eine grosse Zahl der Soldaten kannte Trajan persönlich. Da noch seine
unbestrittenen Fähigkeiten als Feldherr hinzukamen, genoss er bei den Soldaten
fast göttliche Verehrung
Aus dem Briefwechsel den Trajan mit Plinius dem Jüngeren führte, kann man ein Bild des Prinzeps
in den schönsten Farben malen. Vorzüge wie Einsicht, Gerechtigkeit,
Unparteilichkeit, Einschätzungsvermögen und Bescheidenheit
kennzeichnen den Charakter Trajans. Aber auch das rein visuelle Erscheinungsbild
Trajans soll harmonisch und männlich zu gleich gewesen sein. Wollen wir uns
nun nach der persönlichen Einschätzung der Regenten zu den konkreteren
Sachverhalten seiner Politik zu wenden.
Noch bevor Trajan im Jahre 98 zum Kaiser proklamiert worden war, hatte er das Amt des
Statthalters von Obergermanien inne, wo er damit beschäftigt war den Limes
auszubauen und das Strassennetz zu verbessern. Mit der Gründung der
Kolonien Ulipa Traiana (Xanten) und Ulipa Noviomagnus
(Nymwegen) fördert er den Prozess der Romanisierung im oberen
Germanien.
Bei seinem Amtsantritt stellte sich die bange Frage,
ob der "Soldatenkaiser" im Einvernehmen des Senates regieren würde
oder ob er dem Heer eine allzu grosse Kompetenz zu schreiben würde. Wie
zu erwarten bei den oben beschriebenen Charakterzügen, waren diese Befürchtungen
grundlos gewesen. Zwar liess Trajan sich vom Senat nicht entscheidend
beeinflussen, doch erschien er regelmässig in den Senatssitzungen und und
behandelte seine Mitglieder mit der angemessenen Ehre und dem angebrachten
Respekt.
Erster wichtiger Punkt der innenpolitischen Taten Trajans war, dass die Steuern endlich direkt
durch den Staat eingetrieben wurden, so dass der Staat weniger
Steuerausfälle zu beklagen hatte. Diese Steurreform wurde dadurch
möglich gemacht, dass Trajan den Beamtenstaat - vor allem durch Ritter
(equites) - ausbauten und so leistungfähiger machte. Die Ritter
mussten nicht angelockt werden vom Staat; sie kamen von sich aus. Denn wo sonst
fand man eine so vielversprechende Anstellung, die durch die erfolgreiche Person
des optimus princeps noch verstärkt wurde. Der Herrscher konnte
die innenpolitische Stimmung auch durch den Verzicht auf die
Steuerrückstande früherer Prinzipate verbessern. Das ganze
innerrömische System war ein einziger erfolgreicher Kreislauf: die
Beliebtheit Trajans erweckte den Stolz der römischen Bürger, die nun
schneller für den Staat in die Tasche griffen als früher, was wiederum
die Position des Führers stärkte und es ihm ermöglichte neue
Geschenke und Gaben ans Volk zu machen.
Nicht mider wichtig waren die aussenpolitischen Geschehnisse zu Trajans Zeiten, die,
wie auch die starke Persönlichkeit Trajans, dazu beitrugen den inneren
Konsens und Frieden zu bewahren. Das entscheidende Ereignis in der frühen
Regierungszeit Trajans war der erste Krieg gegen die Daker.
Überlegt und besonnen agiert Trajan in seinem ersten Feldzug
gegen den Daker Führer Dekebal. Mit zwölf Legionen rückte der
Prinzeps gegen die Donaugrenze vor und schaffte es schliesslich die Daker unter
das Diktat eines Siegfriedens zu stellen. Dekebal musste harte Bedingungen
erfüllen. Zum einen musste er alle Gebiete die bis zu diesem Zeitpunkt von
den Römern besetzt wurden an diese abtreten, zum anderen musste er alle
römischen Technicher, die zur Zeit Domitians an die Daker verlorengingen,
wieder zurück geben. 102 nach Chr. zog Trajan mit einem glänzenden
Triumph in Rom ein.
Was den Römern nicht verborgen blieb, waren die Rüstungsunternehmungen des dakischen Fürsten Dekebal,
der offensichtlich eine Entscheidungsschlacht suchte. 105 nach Chr. startete
Trajan einen erneuten Angriff gegen Dakien. Dieses Mal mit dem Ziel ganz Dakien
dem römischen Imperium einzuverleiben. Rasch standen die Legionen Trajans
vor der Hauptstadt und damit Dekebal sie den Römern nicht abtreten musste,
liess er sie in Flammen aufgehen. Dieses markente Ereignis zersprengte die
dakischen Truppen und war zugleich der Anfang eines - auch für die
Römer - verlustreichen Guerillakrieges. Im Verlaufe dieser
Auseinandersetzung wurde fast die sämtliche dakische Bevölkerung
vertrieben oder getötet. Nach diesem Exodus entschloss sich Trajan die
Donaugrenze verschärft zu sichern, um gegen die immer häufiger
werdenden Angriffe der Barbaren gewappnet zu sein. Die Provinz Dacia
wurde konsularisch verwaltet. Menschenleere und Einöde der neuen Provinz
sollten durch umfangreiche Romanisierungsprogramme zum Verschwinden gebracht
werden.
Nachdem nun die Nordostgrenze
einigermassen gesichert schien, wandte sich Trajan dem Orient, genauer gesagt
den Parthern, zu. Ob Trajan eine vollständige Zerstörung des
Partherreiches im Auge hatte, oder ob er nur die Sicherung der Grenzen im Sinn
hatte lässt sich schwer beurteilen. Zum einen ist da der grosse
Truppenaufwand den Trajan für den Partherfeldzug betrieb. Er liess nicht
nur die Oststreitkräfte erstarken, er liess leider auch die
Verteidigungskraft im Landesinnern abschwächen; nicht gerade typisch
für einen so weit denkenden Mann wie Trajan. Und eben in dieser
Weitsichtigkeit macht sich der Gegenpol zur Einverleibungstheorie aus. Konnte
ein solch intelligenter Mann wie der Kaiser es war, wirklich nicht erkennen,
welch schwierige Aufgabe es wäre eine solch gross angelegte Operation zu
führen? Zwar wären wohl die römsichen Kohorten und Legionen dazu
im Stande gewesen das Partherreich, das bis tief in den Orient reichte, zu
zerschmettern, aber damit wäre die Aufgabe noch nich gelöst gewesen.
Unsicherheit an allen Grenzen wäre der Fall gewesen, innenpolitische
Gegenwehr, eine parthische Bevölkerung, die sich um keinen Preis von Rom
hätte annexieren lassen wollen und nicht zu letzt neue Feinde für Rom.
Die grossen Reiche des Ostens wie Indien und China. Am relevantesten scheint nun
die Vermutung, Trajan hatte die Absicht die ostlichen Grenzen durch Ausdehnung
zu sichern. Kann man einem solchen Mann wie Trajan doch fast nicht glauben ein
neues Alexanderreich aufzubauen.
Die wirklichen Eeignisse liefen dann so ab. Mit einer relativ hohen Zahl an Legionären,
die er vor allem aus Aeguptus und Cyrene abgezogen hatte, zog
er 113 nach Chr.gegen die Grenze des Orients. Der Operationsplan des
Soldatenkaisers ging anfangs voll auf. Erstens sicherte er die Stellung im
Norden, um den Rücken frei zu haben. 115 nach Chr. wurde Armenien
annexiert. Kurz darauf fielen die Städte Seleukeia und Babylon in
römische Hand. 116 nach Chr. Armeinien, Assyrien und Mesopotamoen von den
Römern besetzt und der Partherkönig Chruso I. musste in sein Stammland
flüchten. Was zu erst wie ein grosser Erfolg für die Römer aus
sah, wurde bei genauerm Hinsehen weit fragwürdiger. Denn Trajan hatte sein
vermeintliches Kriegsziel, die Parther entscheidend zu schwächen, nicht
erreicht. Roms Pläne schauten nun wiefolgt aus. In den neu eroberten sollten
Rom freundliche Klientelkönige eingesetzt werden, die durch die
römischen Truppen unterstützt werden sollten. Dies hätte bei
einem Grossangriff der Parther den Vorteil, dass zunächst die
Klientelkönige daran glauben mussten und das eigentliche Rom länger
Zeit gehabt hätte, um sich gegen den Angriff vorzubereiten. Doch aus den
schönen Plänen wurde nichts. Der Judenaufstand 117 nach Chr. in
Ägypten, Cyrenica und den soeben eroberten Gebieten machte Trajan zu
schaffen. Der Abzug der Truppen für den Partherkrieg hatte sich
gerächt. Viel zu wenig präsent waren die Truppen in den Krisengebieten
gewesen. Die Juden sahen ihre Chance und der uralte Hass zwischen ihnen und
ihren Besetztern taute auf. In einer unglaublich blutigen Auseinandersetzung kämpften die Römer gegen die Aufständischen. Trajan
liess die Truppen aus den neueroberten Grenzgebieten abziehen und
warf sie in die Krisengebiete, um des Aufstandes
Herr zu werden. So war der Aufstand ebenso wie die
Ostpolitik zum Scheitern verurtielt. Der Aufstand wurde grausam niedergeschlagen
und die Klientelkönige verschwanden so schnell wie sie gekommen waren.
Dies war wohl die einzige grössere Niederlage, die Trajan in seiner Laufbahn als Kaiser hinnehmen
musste. Die Durchkreuzung seiner Pläne kratze schwer an ihm und so gab er
bald die Führung der Armeen an seinen Nachfolger Hadrian ab. Noch im Jahre
117 nach Chr. starb der nun verbitterte Trajan an den folgen der Niederlage und
der Enttäuschung. Hadrian kehrte sofort wieder zur altehrwürdigen
römischen Friedenspolitik zurück und die expansionistische Ära
unter Trajan sollte eine Ausnahme bleiben.