Marcus Tullius Cicero wurde 106 v.Chr. in Arpinum, nahe Rom, geboren. Sein Vater gehörte dem politisch
zweitrangigen "ordo equester". Nur durch gute Verbindungen zur Nobilität konnte er seinem Sohn M. Tullius
eine sorgfältige Ausbildung in Rom ermöglichen.
In der Kunst der Rhetorik unterwies ihn L. Licinius Crassus, bei dem er auch Einblicke in die griechische
Rhetorik gewann. Bei Q. Mucius Scaevola erhielt er eine fundierte iuristische Ausbildung. Geschichte, Philosophie
und lateinische und griechische Literatur vervollständigten die Ausbildung.
Nach einem Jahr Militärdienst, wandte sich Cicero der Gerichtslaufbahn zu. Sein erstes spektakuläres Auftreten
ergab sich beim Kriminalprozess gegen S. Roscius Ameria, der des Vatermordes beschuldigt wurde. Mit seiner Rede
"Pro Sexto Roscia Amerino" erreichte er den Freispruch Roscius'.
In den Jahren 78 - 77 hielt sich Cicero aus gesundheitlichen Gründen in Griechenland auf, wo er sich mit der
griechischen Rhetorik und Philosophie eingehend beschäftigte. Infolge eines Studiums bei Apollonios Molon eignete
er sich den "genus Rhodium" an, ein rhetorischer Stil, der einen Mittelweg zwischen einer schwülstigen und einer
bewusst einfachen Sprache darstellt.
Zurück in Rom schlug er die "cursum honorum" ein (Ämterlaufbahn): 75 war er als Quästor in Sizilien für die
Getreideversorung zuständig. Durch seinen Sinn für Gerechtigkeit und sein uneigennütziges Handeln machte er
sich bei der sizilianischen Bevölkerung sehr beliebt, die ihm die Anklage gegen Verres anvertraute.
Gaius Verres hatte sich - wie zu dieser Zeit üblich - als Statthalter ungebührlich an den Provinzbewohnern
bereichert. Cicero nahm seine Patronatspflicht gegenüber Sizilien wahr und erreichte mit den "orationes in
Verrem", dass Verres freiwillig ins Exil ging. Der große Erfolg des gewonnenen Prozesses lag darin, dass Cicero
den Verteidiger Verres', Hortensius, geschlagen hatte und nun als bester Redner Roms galt.
70 organisierte Cicero als Ädil die öffentlichen Spiele und 66 wurde er Prätor und damit Vorsitzender für das
Richterkollegium, zuständig für Repetundenprozesse. Als Prätor setzte er sich in der Rede "De imperio Gn. Pompeii"
dafür ein, dass Pompeius den Oberbefehl im mithridatischen Krieg erhielt.
63 kandidiert Cicero mit Catilina, C. Antonius Hybrida und 5 anderen, unbedeutenden Kandidaten für das Konsulat.
Cicero erkannte, dass er in Catilina, der von Crassus unterstützt wurde, einen gefährlichen Konkurrenten hatte.
Dass dieser aber kein unbeschriebenes Blatt war ("Erste catilinarische Verschwörung" à siehe unten), war günstig:
in seiner Wahlrede, der "oratio in toga candida" nahm Cicero Catilina aufs Korn, woraufhin sämtliche Optimaten
ihren Wählern den Hinweis gaben, Cicero zu wählen. Also wurden im Jahre 63 Cicero und Hybrida für das Konsulatsamt
gewählt.
Cicero brachte zu Beginn seines Konsulats einen Gesetzesantrag zu Fall. Es ging hierbei um Verteilung von Land
unter Vorwand eines Ackergesetzes.
Dann aber beschäftigten ihn weitere Anstrengungen Catilinas. Nach der Aufdeckung der Catilinarischen Verschwörung
(à siehe unten), war Cicero für das Volk der "pater patriae" und gefeierter Held. Er neigte sehr zu
Selbstgefälligkeit und ließ sich als Retter des römischen Staates nur zu gerne feiern. Außerdem hatte sich durch
die Unruhen, eine "Concordia ordinum" ergeben, dadurch dass der Ritterstand immer zur Senatsaristokratie gehalten
hatte. Auch die "Concordia ordinum" sah er als seinen persönlichen Verdienst an.
Cicero konnte seinen gewonnenen Einfluss jedenfalls nicht lange halten und beschränkte sich auf seine Tätigkeit
als Gerichtsredner. Als sich Caesar, Pompeius und Crassus 60 zum "Ersten Triumvirat" zusammentaten, wurde Cicero,
als Gegner von Caesars anti-senatorischer Politik, gezwungen, 58 in die Verbannung zu gehen. Und zwar erreichten
seine Gegner das, indem sie sich auf ein Gesetz beriefen, das auf P. Clodius Pulcher zurückgeht. Es besagt, dass
jener, der einen römischen Bürger ohne Gerichtsverfahren und Zustimmung des Volkes hinrichten lässt, geächtet
wird. Jetzt fiel Cicero die schnelle Hinrichtung von den Catilinarischen Verschwörern wieder in den Rücken.
Er begab sich zunächst nach Thessaloniki, später nach Dyrrhachium. Politisch rehabilitiert kehrte er schließlich
57 nach Rom zurück, wo er sich rhetorischer und philosophischer Schriftstellerei widmete (à siehe unten).
Als ehemaliger Konsul musste Cicero 51 das Prokonsulat die Provinz Kilikien übernehmen, wo er sich durch
Unbestechlichkeit und Gerechtigkeit auszeichnete.
Bei seiner Heimkehr, muss er sich zwischen Caesar und Pompeius entscheiden und schlägt sich schließlich auf die
Seite Pompeius', da er für "res publica" ist, und nicht für eine Alleinherrschaft. Er nimmt an den Kämpfen
allerdings nicht teil und bleibt in Dyrrahchinum zurück. Nach der Niederlage Pompeius' zog er sich nach Brundisium
zurück. 48 ging er auf das Bündnisangebot Caesars ein kehrt nach Rom zurück. Neben seiner Tätigkeit als
Verteidiger, verfasste er vor allem wissenschaftliche Schriften.
Als 44 Caesar ermordet wird, machte Cicero keinen Hehl aus seiner Freude darüber und erreichte eine führende
Rolle im Senat und unterstützte Octavian (später: Kaiser Augustus) in der Hoffnung einer Wiederherstellung der
römische Republik. Also nahm er den Kampf gegen Octavians Gegner Marcus Antonius auf und versuchte mit seinen
"orationes Philippicae" den Senat dazu zu bringen, Antonius zum Staatsfeind zu erklären.
Doch im November 43 schlossen sich Antonius, Lepidus und Octavianus zum 2. Triumvirat zusammen und Antonius setzte
Cicero als ersten auf die Proskriptionsliste. Einen Monat später wurde Cicero ermordet.
Nicht nur Ciceros Reden gelten für die Nachwelt in ihrer formvollendeten Sprache als beispielhaft. Cicero gilt neben Caesar als Schöpfer der lateinischen Kunstprosa, man in seinen rhetorischen und philosophischen Schriften wiederfindet.
Für die Nachwelt von besonders großer Bedeutung ist er, weil seine Schriften Zeugnisse seiner Zeit sind und wir uns ein Bild dieser Zeit machen können.
So hoch Cicero als Schriftsteller geschätzt wird, so mangelhaft schätzt man seine staatsmännischen Fähigkeiten ein. Trotz seines scharfen Intellekts, scheiterte er als Politiker, weil seine Zeit für die Staatsidee nur wenig übrig hatte. Außerdem neigte Cicero, besonders nach der Zerschlagung der Catilinarischen Verschwörung, zu Selbstüberschätzung.
Lutius Sergius Catilina, 2 Jahre älter als Cicero, stammte aus einem patrizischen Geschlecht und zeichnete sich bereits in jungen Jahren durch seine Verschwendungssucht aus. Sein Vermögen hatte er bald durchgebracht. Bei den sullanischen Proskriptionen hatte er sich besonders hervorgetan. 68 ist er Prätor und übernimmt im Jahr darauf als Proprätor die Provinz Africa, die er schamlos ausplünderte. Doch Catilina hatte auch politischen Ehrgeiz. Er versuchte in den Jahren 65, 63 und 62 verzweifelt Konsul zu werden, doch erlitt drei Niederlagen.
Im Jahre 66 wurde er von der Bewerbung für das Konsulat für 65 ausgeschlossen, da ein Erpressungsprozess bevorstand, bei dem er sich den Freispruch unter Aufbietung unermesslicher Bestechungsgelder kaufte. Doch kurz danach, erfuhr man weit schlimmeres über ihn: das war die erste catilinarische Verschwörung. Sie bestand in der Vorbereitung eines Putsches, der die gewählten Konsuln von 65 durch Mord beseitigen sollte. Vermutlich hatten Crassus und Caesar, die in der Opposition gegen Pompeius standen, den Zusammenschluss verarmter Leute gefördert, die unter der Führung Catilinas standen. In Spanien sollte eine Armee aufgestellt werden. Über die Planung gedieh das ganze Unterfangen jedoch nicht hinaus. Die Ausführung geriet bereits im ersten Beginnen im Sand.
Catilina hatte genug Freunde, um eine Untersuchung unterbinden zu können. Es gelang ihm sogar, einen günstigen Prozessausgang herbeizuführen. So konnte er sich bei der nächsten Gelegenheit abermals als Konsulatskandidat vorstellen. Das war im Jahr 63. Doch hier machte ihm Cicero (àsiehe oben) einen Strich durch die Rechnung. Mit seiner Wahlrede "oratio in toga candida" brachte er die Nobilität dazu, ihn zu wählen, indem er seinen Mitbewerber Catilina sozusagen "entlarvte".
In diesem Jahr unternahm Catilina noch größere Anstrengungen, an die Macht zu kommen. Er bereitete seine Kandidatur für das folgende Jahr vor und entpuppte seine revolutionären Absichten hierbei mehr als zuvor. Diese bestanden aus einem Generalappell an alle Unzufriedenen, das heißt an alle die, die mit ihren ökonomischen Verhältnissen nicht mehr zurecht kamen: Grossgrundbesitzer, die bis über beide Ohren verschuldet warn, Geschäftsleute, die vor dem Konkurs standen und nicht zuletzt das immer grösser werdende Proletariat. Es waren alle in den Sullanischen Landverteilungen Enteigneten, und sogar die Gewinner dieser Landverteilungen standen oftmals dem Nichts gegenüber, da sie nicht zu wirtschaften verstanden. Natürlich zog Catilina auch kriminelle Elemente an. Aus dieser Anhängerschaft Catilinas entstand eine militärische Macht von Verschwörern, mit Hauptquartier in Faesulae.
Die Catilinarier strebten eine Herabsetzung der Schulden, Ackerverteilung und Proskription an. Das Modell nach dem sich Catilina richtete war sehr einfach beschaffen: mit Gewalt wollte er die Habenichtse von heute zu den Besitzenden von morgen machen. Das hätte keine strukturell neue Sozialordnung bedeutet, sondern nur einen Wechsel der Stelleninhaber in einer bestehenden Hierarchie, die nicht in Frage gestellt wurde.
Catilina wurde von der Jugend sogar zum Helden hochstilisiert: ein baumstarker Kerl, kühn, frech und ohne jede Spur von Feigeheit. Er hob die Freiheit aufs Panier - er, ein Nutznießer der Sullanischen Proskriptionen.
Die Attacke Catilinas auf die Wahl schlug abermals fehl, da Cicero die Vorbereitungen durchschaut und die nötigen Absicherungen getroffen hatte.
Nach diesem Misserfolg blieb Catilina nur noch der gewaltsame Umsturz. Es ist bezeichnend, dass er ihn sich zutraute, obwohl er über keinerlei exekutive Macht verfügte. Er steht in dieser Hinsicht beinahe allein da in der Geschichte der römischen Revolution.
In ganz Italien, vor allem in Etrurien, stampfte er militärische Kader aus dem Boden. Alle sullanischen Veteranen, die mit ihrem Landbesitz in Schwierigkeiten geraten waren, leisteten ihm vorzügliche Dienste.
Aber Cicero verstand es auch dieses Vorgehen im Auge zu behalten. Am 21. Oktober 63 stellte er Catilina im Senat zur Rede und hielt ihm alle Einzelheiten seiner Verschwörungspläne vor: am 27. Oktober sollte Manlius in Faesulae losschlagen; am 28. Oktober, dem Tag der Konsulwahlen, sollten sich die Catilinarier in Rom erheben. Catilina leugnete diese Pläne nicht ab, da er auch im Senat Anhänger hatte. Er versuchte, sich zum Anwalt der Unterdrückten zu machen. Trotzdem brachte Cicero den Senat dazu den Staatsnotstand (‚senatus consultum ultimum') zu verhängen und ihm damit alle Vollmachten zu übertragen. Trotzdem konnte nicht zur Tat geschritten werden, denn bislang war nach außen hin nichts passiert, und Catilina durfte noch als unschuldiger Biedermann in Rom herumlaufen.
Der Senat ließ Truppenaushebungen vornehmen. Nun beschloss Catilina, einen offenen Aufruhr zu wagen.
Über einen Teilnehmer der Verschwörung erfuhr Cicero, dass Catilina zu seinem Heer nach Faesulae gehen wollte. In der Nacht auf den 7. November solle die Aufgabenverteilung vorgenommen worden sein und seine, Ciceros, Ermordung beschlossen worden sein.
Als am Morgen des 7. Novembers zwei Verschwörer bei ihm erschienen, ließ er sie nicht vor.
Am 8. November stellte Cicero Catilina in seiner Ersten Catilinarischen Rede so bloß, dass ihm als Ausweg nur die freiwillige Entfernung aus Rom blieb.
Am Tag darauf hielt Cicero vor einer Volksversammlung seine 2. Rede, in der er von den Ereignissen berichtete, die Bevölkerung beruhigte und die übrigen Verschwörer einschüchterte. Diese erklärte man zu Staatsfeinden. Doch weitere Aktionen blieben aus und so hatte man nichts gegen sie in der Hand.
Über Fabius Sanga erfuhr Cicero, dass die Gesandten der Allobroger, die gekommen waren, um sich über die Ausbeutung der römischen Steuerpächter zu beschweren, planten, die Catilinarier militärisch zu unterstützen. Cicero ließ in der Nacht zum 3. Dezember die Gesandten und die Verschwörer am ‚Pons Mulvius' gefangen nehmen.
Sie wurden nach Rom gebracht und im Senat verhört. Durch die Schriftstücke, die man bei den Allobroger gefunden hatte, wurden sie des Hochverrats überführt.
Am Abend teilte Cicero in der dritten Rede die Vorgänge dem Volk mit und stellte die Aufdeckung als seinen persönlichen Erfolg dar.
Zwei Tage später fand im Senat die Verhandlung über das Schicksal der Gefangenen statt. Caesar setzte alles daran, die Gefangenen zu retten. In seiner vierten Rede sprach sich Cicero für die Todesstrafe aus.
Entscheidend allerdings war die Rede Catos, der den Verdacht äußerte, dass jene Senatoren, die gegen die Todesstrafe stimmten, Mitwisser gewesen sein könnten. Noch am selben Tag wurden die Verschwörer im Tullanium hingerichtet. Allerdings hatte man den Gefangenen nicht die Möglichkeit gegeben, von ihrem Recht auf Berufung ans Volk Gebrauch zu machen, was Ciceros Gegnern eine Handhabe für spätere Angriffe gab.
Trotzdem wurde Cicero als ‚pater patriae' gefeiert und vom Volk bejubelt. Besonders stolz war er, verkünden zu können, dass die Republik im Stande war, solche Gefahren zu meistern.
Catilina und die letzten Reste der Verschwörer versuchten nach Gallien zu entkommen, wurden aber vom Prokonsul C. Antonius Hybrida und Caecilius Metellus in Etrurien gestellt. Bei der Schlacht bei Pistoria wurden Catilina und der Grossteil seines Heeres getötet.