Lucius Domitius Ahenobarbus wurde am 15. Dezember 37 n. Chr. in Antium geboren. Seine Mutter, Agrippina die Jüngere, war sowohl die Tochter des Germanicus (und dieser wiederum der Bruder des späteren Kaisers Claudius), als auch die Schwester des Caligula (37-41). Sein Vater Cn. Domitius Ahenobarbus entstammte einer alten römischen Adelsfamilie (die aufgrund ihrer roten Haare den Beinamen „Ahenobarbusg [Rotbart] erhielten. Agrippina d.J. heiratete im Jahre 49 ihren eigenen Onkel, Kaiser Claudius (41-54). Dieser wiederum adoptierte Lucius unter dem Namen Nero Claudius Drusus Germanicus und verlobte ihn mit seiner Tochter Octavia. Agrippina ernannte den Philosophen Lucius Annaeus Seneca zu Neros Lehrer und Erzieher. 51 wurde Nero offiziell zum Thronfolger erhoben. Drei Jahre später (13. Oktober 54) starb Claudius (ob von Agrippina vergiftet oder eines natürlichen Todes, ist ungewiss) und Nero wurde im Lager der Prätorianergarde zum Herrscher ausgerufen, ohne den leiblichen Sohn des Claudius – Britannicus (geb. 41) - auch nur in Erwähnung zu ziehen.
Die ersten Jahre der Regierung des erst siebzehnjährigen Nero kann man als eine Anlehnung an die augusteische Regierungsform verstehen - nicht zuletzt dank des Einflusses Senecas und des Prätorianerpräfekten Sextus Afranius Burrus: Achtung vor dem Senat und den politischen Traditionen, schlichtes Auftreten und eine maßvolle Regierung. Doch bereits im Jahr 55 wurde der junge Britannicus als potentieller Konkurrent durch Gift aus dem Weg geräumt (11. Januar). Von seiner Frau Octavia liess sich Nero später scheiden (62), die zudem verbannt und später unter Verschwörungsverdacht beseitigt wurde. Nero begann eine Affäre mit Poppea Sabina, der Frau seines Freundes Otho, den er nach Lusitanien abschob und ihm die Scheidung von Poppea „nahelegteg. Diese Beziehung und ein weiteres Liebesverhältnis zu der Freigelassenen Acte empörte Agrippina d.J., die Nero daraufhin zuerst aus Rom verbannen und 59 schliesslich nach verschiedenen fehlgeschlagenen Attentaten ermorden liess. Die Herrschaft - die zunächst auch unter der Kontrolle Agrippinas gestanden hatte, entglitt nun jeglicher Kontrolle. Nero, der zunächst den Senat respektvoll behandelt hatte, Claudius vergöttern liess und dessen Rechtssinn lobte, wandte sich mehr und mehr dem Komödienspiel und der Dichtung zu. 62 starb der Prätorianerpräfekt Burrus und Seneca zog sich endgültig von den Amtsgeschäften zurück. Die Führung des Staates, die Nero immer weniger interessierte, zogen nun der neue Prätorianerpräfekt Gaius Ofonius Tigellinus und Freigelassene an sich. Tigellinus rief als erstes die verhassten Hochverratsprozesse wieder ins Leben, die das letzte Mal unter Caligula durchgeführt worden waren. Nero organiserte neue Feierlichkeiten, Gladiatorenspiele und trat als Sänger vor "Verehrern" und Freunden auf. Den Schritt in die Öffentlichkeit wagte Nero jedoch erst 64 in Neapel. Im selben Jahr kam es zum grossen Brand Roms, bei dessen Anblick Nero angeblich eine Ode über den Brand Trojas gesungen haben soll. Um den aufkommenden Verdacht abzuwenden, er selbst habe das Feuer legen lassen, um ein neues Rom (mit dem Namen „Neropolisg) aufbauen zu können, wurde die zu diesem Zeitpunkt noch kleine Gruppe der Christen als Sündenbock ausgewählt und deren Anhänger öffentlich verbrannt oder von wilden Tieren in der Arena getötet. Nach dem Brand benutzte Nero die frei gewordenen Flächen, um seinen Herrscherpalast, die "Domus Aurea", zu verwirklichen. 65 brach die Zusammenarbeit mit dem Senat endgültig zusammen, der nach der Aufdeckung der sogenannten "Pisonischen Verschwörung", die die Beseitigung Neros zum Ziel hatte, einen hohen Blutzoll zahlen musste. Unter den Opfern, die von Tigellinus Männern vor die Wahl gestellt wurden, Selbstmord zu begehen oder die Konfiszierung aller Güter zu erleben, war auch Seneca.
Im Jahre 66 begab sich Nero auf eine Reise nach Griechenland, wo er als Wagenlenker, Kitharöde etc. insgesamt 1808 Siegeskränze errang. Griechenland erhielt dafür die Steuerfreiheit und die volle Selbstverwaltung. Diese Einbussen an Einnahmen und das verschwenderische Leben Neros und seines Hofes trieben den Staat an den Rand des Bankrotts, weshalb andere Provinzen weitere Steuerlasten auf sich nehmen mussten.
An diesem Punkt kam es zum Aufstand gegen Nero: in Gallien erhob sich Gaius Julius Vindex, der Spanien unter der Führung Galbas bat, sich ihm anzuschliessen. Doch Vindex wurde umgehend von den dem Kaiser treuen Truppen aus Germanien besiegt und zum Selbstmord getrieben. Doch die Revolte war nicht mehr aufzuhalten: Macer in Africa erklärte sich gegen Nero und Galba präsentierte sich als "Stellvertreter des Volks und Senats von Rom", um sie von der Tyrannei zu befreien. Die Prätorianer unter dem Befehl des zweiten Prätorianerpräfekten Nymphidius Sabinus sagten sich ebenfalls von Nero los. Der Senat ergriff die Chance, erklärte Nero zum Staatsfeind und bot Galba die Herrschaft an. Nero floh kopflos aus der Stadt. Mitten in der Nacht, aus Angst, von feindlichen Soldaten gefasst zu werden, beging Nero Selbstmord (15. Juni 68). Er soll die Tat mit den Worten "Welch' ein Künstler geht mit mir zugrunde" (qualis artifex pereo) begleitet haben. Mit Nero endete das julisch-claudische Herrscherhaus.
Inwieweit Nero wirklich als "Antichrist" (M. Luther) zu bezeichnen ist oder ob all diese Verbrechen wirklich von ihm ausgegangen und verübt wurden, lässt sich nicht exakt feststellen. Doch bis heute gilt Nero als der grausamste Kaiser Roms und als Verbrecher und Verrückter.