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    <description>
        <author>Tacitus</author>
        <title>Annales 16</title>
        <snippet>Der Tod des Thrasea Paetus</snippet>
        <translator>Rainer Lohmann</translator>
        <textkind>prosa</textkind>
        <firstnumber>21</firstnumber>
        <navigation>
            <previous url="intro.html">Annales Einführung</previous>
            <next url="annales_16_2.xml">Zweiter Abschnitt (Kapitel 24-29)</next>
            <next url="annales_16_3.xml">Dritter Abschnitt (Kapitel 30-35)</next>
        </navigation>
    </description>

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        <list style="list-style: decimal; visibility: hidden">
            <item number="21">Erster Abschnitt (Kapitel 21-23)</item>
        </list>
    </structure>


    <text>
        <section from="21" to="21">
            <german>
                (1) Nachdem so viele ausgezeichnete Männer ermordet worden waren, war Nero zuletzt begierig danach, die
                Tugend selbst zu vernichten, dadurch dass er Thrasea Paetus und Barea Soranus töten ließ, war er doch
                seit langem beiden gegenüber feindselig eingestellt und traten bei Thrasea noch Gründe hinzu, dass er
                den Senat verließ, als über Agrippina berichtet wurde, wie ich erwähnt habe, und bei den Iuvenalia zu
                wenig Aufmerksamkeit gezeigt hatte; und diese Beleidigung drang um so tiefer in ihn ein, weil derselbe
                Thrasea in Patavium, wo er geboren war, anlässlich der sogenannten Fischerspiele, die vom Trojaner
                Antenor eingeführt worden waren, als tragischer Schauspieler gesungen hatte. (2) Auch an dem Tag, an dem
                der Prätor Antistes wegen der gegen Nero verfassten Schmähgedichte zum Tod verurteilt wurde, beantragte
                er eine mildere Bestrafung und setzte sie durch; und als göttliche Ehren für Poppaea beschlossen wurden,
                hatte er, absichtlich abwesend, nicht an der Begräbnisfeier teilgenommen. (3) Dass dieses vergessen
                wurde, ließ Capito Cossutianus nicht zu, der abgesehen von seinem zu Verbrechen schnell bereiten
                Charakter Thrasea abgeneigt war: Dieser unterstützte, weil er durch dessen [sc. Capitos] Einfluss vor
                Gericht unterlegen war, die Gesandten der Kilikier, als sie Capito wegen Erpressung anklagten.
            </german>
            <latin>
                Trucidatis tot insignibus viris ad postremum Nero virtutem ipsam excindere concupivit interfecto Thrasea
                Paeto et Barea Sorano, olim utrisque infensus et accedentibus causis in Thraseam, quod senatu egressus
                est cum de Agrippina referretur, ut memoravi, quodque Iuvenalium ludicro parum spectabilem operam
                praebuerat; eaque offensio altius penetrabat, quia idem Thrasea Patavi, unde ortus erat, ludis
                +cetastis+ a Troiano Antenore institutis habitu tragico cecinerat. die quoque quo praetor Antistius ob
                probra in Neronem composita ad mortem damnabatur, mitiora censuit obtinuitque; et cum deum honores
                Poppaeae decernuntur sponte absens, funeri non interfuerat. quae oblitterari non sinebat Capito
                Cossutianus, praeter animum ad flagitia praecipitem iniquus Thraseae quod auctoritate eius concidisset,
                iuvantis Cilicum legatos dum Capitonem repetundarum interrogant.
            </latin>
        </section>

        <section from="22" to="22">
            <german>
                (1) Ja sogar jene Vorwürfe richtete er gegen Thrasea: Er meide zu Beginn des Jahres den feierlichen
                Treueid; der Darbringung von Gebeten wohne er nicht bei, obwohl er das Priesteramt der Quindecimviri
                bekleide; niemals habe er für das Wohl des Kaisers oder für dessen himmlische Stimme geopfert; einst
                eifrig und unermüdlich [damit beschäftigt], auch bei den gewöhnlichen Beratungen der Senatoren als
                Befürworter oder Gegner aufzutreten, habe er seit drei Jahren die Kurie nicht betreten, und noch vor
                Kurzem, als man wetteifernd zusammenströmte, um Silanus und Vetus zu bestrafen, habe er sich lieber für
                die privaten Angelegenheiten seiner Klienten Zeit gelassen. (2) Dieses Verhalten bedeute bereits
                Absonderung und Parteilichkeit und, wenn viele dasselbe wagten, Krieg. "Wie einst über C. Caesar", sagte
                er, "und M. Cato, so spricht jetzt über dich, Nero, und über Thrasea eine auf Streitigkeiten versessene
                Bürgerschaft. Auch hat er Anhänger oder vielmehr Spießgesellen, die zwar noch nicht seine
                Unnachgiebigkeit bei Anträgen [im Senat], aber sein Gehabe und seinen Gesichtsausdruck nachäffen –
                unerbittliche und grimmige Menschen –, um dir dadurch einen ausschweifenden Lebenswandel vorwerfen zu
                können. (3) Er allein kümmert sich nicht um dein Wohlbefinden, deinen Künsten erweist er keine Achtung.
                Die Erfolge des Kaisers weist er zurück; wird er etwa nicht einmal durch Trauer und Schmerzen
                befriedigt? Poppaea nicht für göttlich zu halten, zeugt von der gleichen Gesinnung wie auf die
                Verfügungen des göttlichen Augustus und des göttlichen Iulius nicht zu schwören. Er schätzt die
                kultischen Bräuche gering, er will die Gesetze abschaffen. Die Tagesberichte des römischen Volkes werden
                in den Provinzen und in den Heeren sorgfältiger gelesen, damit man erkennt, was Thrasea nicht getan hat.
                (4) Lasst uns entweder zu jenen Einrichtungen [der Republik], wenn sie besser sind, überwechseln, oder
                es soll denjenigen, die einen Umsturz wünschen, ihr Anführer und Anstifter genommen werden. Diese Sekte
                [der Stoiker] hat Leute wie Tubero und Favonius hervorgebracht, Namen, die auch im alten Staat unbeliebt
                waren. Um die Herrschaft [sc. der Kaiser] zu stürzen, tragen sie die Freiheit zur Schau: Wenn sie jene
                gestürzt haben, werden sie die Freiheit selbst angreifen. (5) Vergeblich hast du Cassius verbannt, falls
                du es zulassen wirst, dass die Nacheiferer der Brutier zunehmen und angesehen sind. Schreibe schließlich
                nichts selbst über Thrasea [an den Senat]: Überlasse uns den Senat als Richter." (6) Die zornige
                Entschlossenheit des Cossutianus fachte Nero an und gab Marcellus Eprius, einen Mann von bissiger
                Beredsamkeit, [zur Unterstützung der Anklage] hinzu.
            </german>
            <latin>
                Quin et illa obiectabat, principio anni vitare Thraseam sollemne ius iurandum; nuncupationibus votorum
                non adesse, quamvis quindecimvirali sacerdotio praeditum; numquam pro salute principis aut caelesti voce
                immolavisse; adsiduum olim et indefessum, qui vulgaribus quoque patrum consultis semet fautorem aut
                adversarium ostenderet, triennio non introisse curiam; nuperrimeque, cum ad coercendos Silanum et
                Veterem certatim concurreretur, privatis potius clientium negotiis vacavisse. secessionem iam id et
                partis et, si idem multi audeant, bellum esse. 'ut quondam C. Caesarem' inquit 'et M. Catonem, ita nunc
                te, Nero, et Thraseam avida discordiarum civitas loquitur. et habet sectatores vel potius satellites,
                qui nondum contumaciam sententiarum, sed habitum vultumque eius sectantur, rigidi et tristes, quo tibi
                lasciviam exprobrent. huic uni incolumitas tua sine cura, artes sine honore. prospera principis respuit:
                etiamne luctibus et doloribus non satiatur? eiusdem animi est Poppaeam divam non credere, cuius in acta
                divi Augusti et divi Iuli non iurare. spernit religiones, abrogat leges. diurna populi Romani per
                provincias, per exercitus curatius leguntur, ut noscatur quid Thrasea non fecerit. aut transeamus ad
                illa instituta, si potiora sunt, aut nova cupientibus auferatur dux et auctor. ista secta Tuberones et
                Favonios, veteri quoque rei publicae ingrata nomina, genuit. ut imperium evertant libertatem praeferunt:
                si perverterint, libertatem ipsam adgredientur. frustra Cassium amovisti, si gliscere et vigere Brutorum
                aemulos passurus es. denique nihil ipse de Thrasea scripseris: disceptatorem senatum nobis relinque.'
                extollit ira promptum Cossutiani animum Nero adicitque Marcellum Eprium acri eloquentia.
            </latin>
        </section>
        <section from="23" to="23">
            <german>
                (1) Aber Ostorius Sabinus, ein römischer Ritter, hatte schon Barea Soranus infolge seines Prokonsulates
                in Asien angeklagt, während dessen seine Gerechtigkeit und Tatkraft die Ungnade des Kaisers vermehrten,
                und weil er für die Öffnung des Hafens der Epheser Mühe aufgewandt und die Gewaltanwendung der
                Bürgerschaft von Pergamon, die verhinderte, dass Acratus, ein Freigelassener des Kaisers, Statuen und
                Gemälde fortschaffte, ungestraft gelassen hatte. Aber es wurden ihm seine Freundschaft mit Plautus und
                sein eifriges Bestreben, die Provinz durch einen Umsturz für sich zu gewinnen, zum Vorwurf gemacht. (2)
                Als Zeitpunkt für die Verurteilung wurde die Anreise des Tiridates zum Empfang der Königsherrschaft über
                Armenien ausgemacht, damit durch die Aufmerksamkeit für die Außenpolitik das Verbrechen im Innern in den
                Hintergrund trete oder damit er [sc. Nero] seine kaiserliche Größe durch die Ermordung hervorragender
                Männer gleichsam mittels einer Despotentat zeigen könne.
            </german>
            <latin>
                At Baream Soranum iam sibi Ostorius Sabinus eques Romanus poposcerat reum ex proconsulatu Asiae, in quo
                offensiones principis auxit iustitia atque industria, et quia portui Ephesiorum aperiendo curam
                insumpserat vimque civitatis Pergamenae prohibentis Acratum, Caesaris libertum, statuas et picturas
                evehere inultam omiserat. sed crimini dabatur amicitia Plauti et ambitio conciliandae provinciae ad spes
                novas. tempus damnationi delectum, quo Tiridates accipiendo Armeniae regno adventabat, ut ad externa
                rumoribus intestinum scelus obscuraretur, an ut magnitudinem imperatoriam caede insignium virorum quasi
                regio facinore ostentaret.
            </latin>
        </section>
    </text>
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