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	<author>Vergil</author>
	<title>Aeneis VIII</title>
	<snippet>Schluss, Verse 608-731</snippet>
	<translator>Rainer Lohmann</translator>
	<textkind>poetry</textkind>
	<firstnumber>608</firstnumber>
	<navigation>
		<previous url="intro.html">Aeneis VIII Einführung</previous>
		<previous url="euander_2.xml">Zweite Euander-Szene, Verse 454-607</previous>
	</navigation>
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<text>

	<section from="608" to="731">
		<german>
			Aber Venus erschien als strahlende Göttin zwischen den im Äther schwebenden Wolken, Geschenke bringend; und sobald sie ihren Sohn weit hinten im Tal fern am kühlen Strom erblickt hatte, sprach sie ihn mit solchen Worten an und zeigte sich ihm aus freien Stücken: "Siehe da die Geschenke, vollendet durch die versprochene Kunstfertigkeit meines Gatten. Zögere nicht, bald entweder die stolzen Laurentiner, mein Sohn, oder den stürmischen Turnus zu Kämpfen herauszufordern." So sprach Venus und ließ sich von ihrem Sohn umarmen, nachdem sie die strahlenden Waffen am Fuße einer Eiche ihm gegenüber abgelegt hatte. Jener konnte sich vor Freude an den Gaben der Göttin und der so großen Auszeichnung nicht satt sehen und ließ seine Augen über die einzelnen Stücke schweifen, er bewunderte und wendete in seinen Händen und Armen den wegen seiner Büsche furchterregenden Helm, der Flammen hervorströmen ließ, hin und her, das todbringende Schwert, den erzstarrenden Plattenpanzer, blaurot und gewaltig, wie wenn eine dunkle Wolke durch die Strahlen der Sonne erglüht und weithin aufleuchtet; dann die glatten Beinschienen aus geläutertem Goldsilber und Gold, die Lanze und den schier unbeschreiblichen Bildschmuck des Schildes.
			<newparagraph number="626"/> Dort hatte der Feuerbeherrscher die italische Geschichte und die Triumphe der Römer nicht ohne Kenntnis der Weissagungen und im Wissen um das kommende Zeitalter dargestellt, dort das ganze Geschlecht der zukünftigen Nachkommenschaft seit Ascanius und die der Reihe nach ausgekämpften Kriege. Er hatte auch dargestellt, wie in der grünen Höhle des Mars die säugende Wölfin sich niedergelegt hatte, wie die beiden an ihr hängenden Knaben um ihre Euter spielten und furchtlos an ihrer Mutter saugten, wie jene, nachdem sie ihren glatten Hals umgedreht hatte, sie abwechselnd beleckte und ihre Körper mit der Zunge glättete. Nicht weit davon entfernt hatte er noch dazu Rom und die Sabinerinnen dargestellt, die widerrechtlich aus ihrem Sitz im Zuschauerraum geraubt worden waren, während die großen Zirkusspiele stattfanden, und wie plötzlich ein neuer Krieg ausbrach für die Nachkommen des Romulus, für den greisen Tatius und das sittenstrenge Cures. Später standen dieselben Könige, als der Kampf unter ihnen beendet war, bewaffnet und Opferschalen haltend vor dem Altar Jupiters und schlossen ein Bündnis nach Opferung eines Schweins. Nicht weit von dort hatte ein schnelles Viergespann den Mettus in verschiedene Richtungen auseinandergerissen (aber du hättest dein Wort halten sollen, Albaner!), und Tullus ließ die Glieder des lügenhaften Mannes durch den Wald schleifen, und bespritzt vom Blut trieften die Dornsträucher. Ebenso auch ließ Porsenna den verbannten Tarquinius bei sich aufnehmen, und durch eine gewaltige Belagerung bedrängte er die Stadt; die Römer stürzten sich für die Freiheit in den Kampf. Jenen hätte man einem Wütenden gleich und gleich einem Drohenden erblicken können, weil Cocles es wagte, die Brücke einreißen zu lassen, und Cloelia, der Haft entronnen, in den Fluss hineinschwamm. Ganz oben auf dem Schild stand Manlius als Wächter der tarpeischen Burg vor einem Tempel und verteidigte das hohe Capitol, und die Königsburg des Romulus war frisch bedeckt mit Stroh. Und hier in der vergoldeten Vorhalle verkündete eine mit den Flügeln schlagende silberne Gans, dass die Gallier auf der Schwelle standen; die Gallier waren durch Gestrüpp herangekommen und hatten schon die Höhe erreicht, geschützt durch die Dunkelheit und die Gunst der finsteren Nacht. Jene tragen goldenes Haupthaar und ein goldenes Gewand, sie leuchten in ihren gestreiften Mänteln, dazu sind ihre milchweißen Hälse von Gold umschlungen, jeder schwingt zwei Alpenspieße in seiner Hand, mit langen Schilden sich deckend.
			<newparagraph number="663"/> Hier hatte er die tanzenden Salier und die entblößten Lupercer, ihre mit Wolle umwickelten Mützen und ihre vom Himmel gefallenen Schilde nachgebildet, züchtige Mütter in gepolsterten Prachtwagen zogen in heiligen Prozessionen durch die Stadt. Fern von hier fügt er auch die Stätte der Unterwelt hinzu, das hohe Tor Plutos, die Strafen für die Verbrecher und dich, Catilina, wie du an dem überragenden Felsen hängst und vor dem Aussehen der Furien erzitterst, und die abgesonderten Frommen und Cato, der ihnen Recht spricht.
			<newparagraph number="671"/> Dazwischen zog sich das goldglänzende Bild des sturmgepeitschten Meeres weit hin, aber die blauschwarzen Wogen schäumten in der Gischt, und ringsum durchfurchten im Kreise silberhelle Delphine mit ihren Schwanzflossen das Meer und durchschnitten die Brandung. In der Mitte des Schildes waren erzbeschlagene Flotten, die Kriege bei Actium, zu erkennen, und man hätte sehen können, wie ringsum Leucate von aufgestellten Schlachtreihen wimmelte und vom Gold die Fluten glänzten. Hier führt Augustus Caesar die Italer in den Kampf gemeinsam mit den Senatoren und dem Volk, mit den Penaten und den erhabenen Göttern; er steht oben auf dem Deck, seine Schläfen lassen glückverheißend zwei Flammenzungen hervorströmen und der Stern seines Vaters zeigt sich auf seinem Scheitel. An einer anderen Stelle führt Agrippa, unterstützt von Winden und Göttern, hochragend die Flotte an, dessen Schläfen, eine stolze Auszeichnung für Königstaten, von einer mit Schiffsschnäbeln verzierten Krone glänzen. 
			<newparagraph number="685"/> Dort führt mit ausländischer Streitmacht und vielerlei Waffen Antonius, als Sieger von den Völkern des Ostens und dem Roten Meer herkommend, Ägypten, die Streitkräfte des Orients und das fernste Bactra mit sich, und es folgt ihm (entsetzlich) seine ägyptische Gattin. Alle stürmen zusammen los und das ganze Meer schäumt aufgewühlt durch die angezogenen Ruder und die dreizackigen Schiffsschnäbel. Auf die hohe See fahren sie hinaus; man könnte glauben, die losgerissenen Cycladen schwämmen auf dem Meer oder hohe Berge stürzten auf andere, mit solcher Wucht dringen die Männer auf die turmbewehrten Schiffe ein. Brandfackeln aus Werg werden mit den Händen geworfen, und durch das Schleudern der Geschosse fliegt das Eisen überallhin, die Meeresfläche wird rot von einem noch nie erlebten Blutbad. Mitten darin ruft die Königin mit der heimischen Isisklapper ihre Scharen zum Kampf, und sie sieht noch nicht einmal in ihrem Rücken die zwei Schlangen. Allerlei ungeheuerliche Göttergestalten und der Kläffer Anubis erheben ihre Waffen gegen Neptun und Venus und gegen Minerva. Es wütet mitten im Kampf der in Eisen getriebene Mars, aus der Luft greifen die grimmigen Erynnien ein, und mit zerrissenem Mantel schreitet voll Freude Discordia einher, der mit blutiger Geißel Bellona folgt. Der Apoll von Actium sah dieses und spannte seinen Bogen von oben herab; aus Furcht vor ihm wandten sich ganz Ägypten und die Inder, ganz Asien und alle Sabäer zur Flucht. Die Königin selbst wurde gesehen, wie sie, nachdem sie die Winde gerufen, absegelte und mehr und mehr die Taue locker schießen ließ. Der Beherrscher des Feuers hatte dargestellt, wie jene inmitten des Gemetzels erbleichend angesichts des nahen Todes von den Wogen und dem Iapyx entführt wurde, wie gegenüber aber der Nil mit seinem großen Körper trauerte, den Bausch seines Gewandes öffnete und mit seinem ganzen Mantel die Besiegten in seinen bläulichen Schoß und die versteckreichen Fluten rief.
			<newparagraph number="714"/> Aber Caesar weihte, nachdem er in einem dreifachen Triumph in die Stadtmauern Roms eingezogen war, den italischen Göttern ein unvergängliches Denkmal, dreihundert mächtige Tempel in der ganzen Stadt. Von Freude, Spielen und Beifall ertönten die Straßen; in allen Tempeln gab es Prozessionen von Müttern, in allen Tempeln Altäre; vor den Altären bedeckten geschlachtete Jungstiere die Erde. Er selbst, auf der schneeweißen Marmorschwelle des strahlenden Apollontempels sitzend, beschaut die Geschenke der Völker und hängt sie an den stolzen Tempelsäulen auf; in langer Reihe schreiten die besiegten Völker einher, ebenso vielfältig in ihren Sprachen wie in ihrer Tracht und den Waffen. Hier hatte Vulcanus das Volk der Numider und die nachlässig geschürzten Afrer, hier hatte er die Leleger, Karer und die mit Pfeilen bewaffneten Gelonen dargestellt; der Euphrat zog nunmehr in sanfterer Strömung dahin, und am entferntesten waren die Moriner und der zweihörnige Rhein, die unbändigen Daker und der Araxes, der die Brücke nur widerwillig trug.
			<newparagraph number="729"/> Solche Darstellungen bewunderte er auf Vulcanus’ Schild, dem Geschenk seiner Mutter, und ohne die Bedeutung des Dargestellten zu kennen, freute er sich über das Bild und hob auf seine Schultern das ruhmvolle Geschick seiner Nachfahren.
		</german>
		<latin>
			At Venus aetherios inter dea candida nimbos<br/>
			dona ferens aderat; natumque in ualle reducta<br/>
			ut procul egelido secretum flumine uidit,<br/>
			talibus adfata est dictis seque obtulit ultro:<br/>
			'en perfecta mei promissa coniugis arte<br/>
			munera. ne mox aut Laurentis, nate, superbos<br/>
			aut acrem dubites in proelia poscere Turnum.'<br/>
			dixit, et amplexus nati Cytherea petiuit,<br/>
			arma sub aduersa posuit radiantia quercu.<br/>
			ille deae donis et tanto laetus honore<br/>
			expleri nequit atque oculos per singula uoluit,<br/>
			miraturque interque manus et bracchia uersat<br/>
			terribilem cristis galeam flammasque uomentem,<br/>
			fatiferumque ensem, loricam ex aere rigentem,<br/>
			sanguineam, ingentem, qualis cum caerula nubes<br/>
			solis inardescit radiis longeque refulget;<br/>
			tum leuis ocreas electro auroque recocto,<br/>
			hastamque et clipei non enarrabile textum.<br/>
			illic res Italas Romanorumque triumphos<br/>
			haud uatum ignarus uenturique inscius aeui<br/>
			fecerat ignipotens, illic genus omne futurae<br/>
			stirpis ab Ascanio pugnataque in ordine bella.<br/>
			fecerat et uiridi fetam Mauortis in antro<br/>
			procubuisse lupam, geminos huic ubera circum<br/>
			ludere pendentis pueros et lambere matrem<br/>
			impauidos, illam tereti ceruice reflexa<br/>
			mulcere alternos et corpora fingere lingua.<br/>
			nec procul hinc Romam et raptas sine more Sabinas<br/>
			consessu caueae, magnis Circensibus actis,<br/>
			addiderat, subitoque nouum consurgere bellum<br/>
			Romulidis Tatioque seni Curibusque seueris.<br/>
			post idem inter se posito certamine reges<br/>
			armati Iouis ante aram paterasque tenentes<br/>
			stabant et caesa iungebant foedera porca.<br/>
			haud procul inde citae Mettum in diuersa quadrigae<br/>
			distulerant (at tu dictis, Albane, maneres!),<br/>
			raptabatque uiri mendacis uiscera Tullus<br/>
			per siluam, et sparsi rorabant sanguine uepres.<br/>
			nec non Tarquinium eiectum Porsenna iubebat<br/>
			accipere ingentique urbem obsidione premebat;<br/>
			Aeneadae in ferrum pro libertate ruebant.<br/>
			illum indignanti similem similemque minanti<br/>
			aspiceres, pontem auderet quia uellere Cocles<br/>
			et fluuium uinclis innaret Cloelia ruptis.<br/>
			in summo custos Tarpeiae Manlius arcis<br/>
			stabat pro templo et Capitolia celsa tenebat,<br/>
			Romuleoque recens horrebat regia culmo.<br/>
			atque hic auratis uolitans argenteus anser<br/>
			porticibus Gallos in limine adesse canebat;<br/>
			Galli per dumos aderant arcemque tenebant<br/>
			defensi tenebris et dono noctis opacae.<br/>
			aurea caesaries ollis atque aurea uestis,<br/>
			uirgatis lucent sagulis, tum lactea colla<br/>
			auro innectuntur, duo quisque Alpina coruscant<br/>
			gaesa manu, scutis protecti corpora longis.<br/>
			hic exsultantis Salios nudosque Lupercos<br/>
			lanigerosque apices et lapsa ancilia caelo<br/>
			extuderat, castae ducebant sacra per urbem<br/>
			pilentis matres in mollibus. hinc procul addit<br/>
			Tartareas etiam sedes, alta ostia Ditis,<br/>
			et scelerum poenas, et te, Catilina, minaci<br/>
			pendentem scopulo Furiarumque ora trementem,<br/>
			secretosque pios, his dantem iura Catonem.<br/>
			haec inter tumidi late maris ibat imago<br/>
			aurea, sed fluctu spumabant caerula cano,<br/>
			et circum argento clari delphines in orbem<br/>
			aequora uerrebant caudis aestumque secabant.<br/>
			in medio classis aeratas, Actia bella,<br/>
			cernere erat, totumque instructo Marte uideres<br/>
			feruere Leucaten auroque effulgere fluctus.<br/>
			hinc Augustus agens Italos in proelia Caesar<br/>
			cum patribus populoque, penatibus et magnis dis,<br/>
			stans celsa in puppi, geminas cui tempora flammas<br/>
			laeta uomunt patriumque aperitur uertice sidus.<br/>
			parte alia uentis et dis Agrippa secundis<br/>
			arduus agmen agens, cui, belli insigne superbum,<br/>
			tempora nauali fulgent rostrata corona.<br/>
			hinc ope barbarica uariisque Antonius armis,<br/>
			uictor ab Aurorae populis et litore rubro,<br/>
			Aegyptum uirisque Orientis et ultima secum<br/>
			Bactra uehit, sequiturque (nefas) Aegyptia coniunx.<br/>
			una omnes ruere ac totum spumare reductis<br/>
			conuulsum remis rostrisque tridentibus aequor. <br/>
			alta petunt; pelago credas innare reuulsas<br/>
			Cycladas aut montis concurrere montibus altos,<br/>
			tanta mole uiri turritis puppibus instant.<br/>
			stuppea flamma manu telisque uolatile ferrum<br/>
			spargitur, arua noua Neptunia caede rubescunt.<br/>
			regina in mediis patrio uocat agmina sistro,<br/>
			necdum etiam geminos a tergo respicit anguis.<br/>
			omnigenumque deum monstra et latrator Anubis<br/>
			contra Neptunum et Venerem contraque Mineruam<br/>
			tela tenent. saeuit medio in certamine Mauors<br/>
			caelatus ferro, tristesque ex aethere Dirae,<br/>
			et scissa gaudens uadit Discordia palla,<br/>
			quam cum sanguineo sequitur Bellona flagello.<br/>
			Actius haec cernens arcum intendebat Apollo<br/>
			desuper; omnis eo terrore Aegyptus et Indi,<br/>
			omnis Arabs, omnes uertebant terga Sabaei.<br/>
			ipsa uidebatur uentis regina uocatis<br/>
			uela dare et laxos iam iamque immittere funis.<br/>
			illam inter caedes pallentem morte futura<br/>
			fecerat ignipotens undis et Iapyge ferri,<br/>
			contra autem magno maerentem corpore Nilum<br/>
			pandentemque sinus et tota ueste uocantem<br/>
			caeruleum in gremium latebrosaque flumina uictos.<br/>
			
			at Caesar, triplici inuectus Romana triumpho<br/>
			moenia, dis Italis uotum immortale sacrabat,<br/>
			maxima ter centum totam delubra per urbem.<br/>
			laetitia ludisque uiae plausuque fremebant;<br/>
			omnibus in templis matrum chorus, omnibus arae;<br/>
			ante aras terram caesi strauere iuuenci.<br/>
			ipse sedens niueo candentis limine Phoebi<br/>
			dona recognoscit populorum aptatque superbis<br/>
			postibus; incedunt uictae longo ordine gentes,<br/>
			quam uariae linguis, habitu tam uestis et armis.<br/>
			hic Nomadum genus et discinctos Mulciber Afros,<br/>
			hic Lelegas Carasque sagittiferosque Gelonos<br/>
			finxerat; Euphrates ibat iam mollior undis,<br/>
			extremique hominum Morini, Rhenusque bicornis,<br/>
			indomitique Dahae, et pontem indignatus Araxes.<br/>
			
			
			Talia per clipeum Volcani, dona parentis,<br/>
			miratur rerumque ignarus imagine gaudet<br/>
			attollens umero famamque et fata nepotum.
		</latin>
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